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„Sommerbau“ am Kaiserlei : Theater auf der grünen Wiese

Großer Aufschlag mit Logen: Der „Sommerbau“ am Offenbacher Kaiserlei ist eröffnet und soll bis in den Oktober hinein bespielt werden. Bild: baumann fotografie

Der Theaterbesuch musste wegen der Corona-Pandemie häufig ausfallen. Mit dem „Sommerbau“ am Kaiserlei, getragen vom Frankfurt Lab, hat die Region nun eine Spielstätte an der frischen Luft gewonnen.

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          Das Ufo ist gelandet: Schwarz, rot und weiß leuchtet es jetzt auf der Brache am Brüsseler Platz, wo plötzlich abends ein ganz anderes Leben einkehrt. Hinter dem Bauzaun eine große Freifläche mit festem Boden, wo man mit Drinks von der Bar noch ein paar Takte über das reden kann, was man eben gesehen hat. Drinnen, hinter dem rot-schwarzen Einlass: Gut 100 Logen für je zwei Zuschauer im Halbrund, auf den drei Etagen hat man einen sensationellen Blick, auf die Bühne, aber auch zu anderen Zuschauern – was zu Tarek Al-Wazirs (Grüne) Feststellung passte, der Mensch, dieses soziale Wesen, wolle sich beim Kulturgenuss auch wieder in die Augen schauen. Bis weit in den Oktober hinein soll am Kaiserlei, direkt an der Stadtgrenze zu Frankfurt auf Offenbacher Gemarkung, gespielt werden.

          Eva-Maria Magel
          Leitende Kulturredakteurin Rhein-Main-Zeitung.

          Der stellvertretende Ministerpräsident und Offenbacher Abgeordnete war der ranghöchste unter den zahlreichen Politikern, die zur Eröffnung gekommen waren. Schließlich ist der „Sommerbau“ das größte unter den vielen Kultursommer- und „Ins Freie“-Projekten, die derzeit schon laufen. 500.000 Euro gab es allein aus dem zehn Millionen Euro schweren Landesfonds „Ins Freie“ für Kultur an neuen Orten im Freien und in neuen Kombinationen von Betreibern, Fördermittel gab es überdies vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und außerdem im Rahmen des städtischen Frankfurter Kultursommers.

          Das Freilicht-Theater in Gerüstbauweise, den das Frankfurt Lab und seine Träger mit allerhand Partnern betreiben, wird verantwortet vom Künstlerhaus Mousonturm, das auch den Frankfurter Kultursommer betreut. Programmbeiträge unterstützt der Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main, insgesamt schätzt Mousonturm-Intendant Matthias Pees das Volumen des Projekts auf zwei bis zweieinhalb Millionen Euro.

          Dem „Struwwelpeter“ eine Bühne geben

          Klein waren die Vergleiche auch am Eröffnungsabend nicht gewählt, der „Sommerbau“ ist schon mit Shakespeares Globe Theatre oder dem Colosseum verglichen worden. So groß ist der von den Architekten von raumlaborberlin entworfene Gerüstbau dann doch nicht geworden, aber es können bis zu 350 Zuschauer derzeit Platz finden. Dank der weißen Segel ist der Straßenlärm kaum zu hören, und wenn die Vorstellung erst einmal läuft, ist der Luftverkehr über dem Bühnenhimmel vergessen. Auch vom Parkett aus ist der Blick phantastisch: Oben der Himmel, rings herum die schwarz verkleideten Logen mit roten dreieckigen Segeln, ein dezentes Farbspektakel.

          Ein Spektakel haben das Ensemble Modern und die Volksbühne am Großen Hirschgraben auch zur Eröffnung des Baus geboten. Der „Struwwelpeter“, in einer musiktheatralischen Neukomposition der drei Ensemble-Mitglieder Uwe Dierksen, Hermann Kretzschmar und Christian Hommel, hatte Ende Januar 2020 den Cantate-Saal, neue Heimat der Volksbühne, eröffnet – kurze Zeit später kam der Lockdown. Nun geben Sabine Fischmann und Michael Quast dem Affen Zucker, zeigen bei bisweilen etwas überlautem Einsatz das Tragische, Grimmig-Bedrohliche der „lustigen Geschichten“ des Frankfurters Heinrich Hoffmann. Wie so viele Künstler und Veranstaltungsteams derzeit hat auch das Ensemble in Doppelschicht gespielt. Die Mischung aus Tradition und Moderne passte zu einer Eröffnung mit Reden, rotem Band und Schere für einen Bau, der sich dem Zeitgenössischen widmen will. Mit der Zehn-Stunden-Produktion „Dionysos Stadt“ soll vom 31. Juli an eingelöst werden, was der „Sommerbau“ verspricht: „Frankfurter Dionysien in Offenbach“.

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