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Tänzer Jan Minarik gestorben : Gewitztes Charisma

  • -Aktualisiert am

Trug er auf der Tanztheaterbühne Bademantel, wirkte er wie ein Boxer in der Pause zwischen zwei Runden: Jan Minarik Bild: Ulli Weiss

Jan Minarik war einer der liebenswertesten und interessantesten Protagonisten des Tanztheaters von Pina Bausch. Nun ist der Solist in seiner tschechischen Heimat gestorben.

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          Seit 1973 hatte Jan Minarik mit Pina Bausch in Wuppertal zusammengearbeitet. Dort engagiert seit 1970, gehörte der klassische Solist zu jenen wenigen Tänzern, die blieben, als die ernste junge Frau, die radikal nach einer neuen Weise, sich mit Tanz auszudrücken, suchte, dort am Theater anfing und Schluss machte mit dem Ballett. Ihre Ideen müssen Minarik sofort eingeleuchtet haben. Er blieb Jahrzehnte. 33 Rollen in 36 Produktionen schuf er für Pina Bausch, unter ihnen den großartigen, unheimlichen, besessenen Blaubart, 1977.

          Die Statur von Jan Minarik war die eines muskulösen, durchtrainierten Sportlers. Trug er auf der Tanztheaterbühne Bademantel, wirkte er wie ein Boxer in der Pause zwischen zwei Runden. Er sah in jedem Aufzug elegant aus und charismatisch, besonders aber in den maßgeschneiderten Hemden und Anzügen, den die Gewandmeister Wuppertals anzufertigen wussten, als läge das Opernhaus an der Savile Row. Minarik konnte die irrsten witzigsten Szenen spielen, ohne dass in seinen schönen, männlichen Zügen das leiseste Zucken verriet, welches stumme Gelächter ihn in Wahrheit geschüttelt haben muss.

          Er war der Mann, der eine Frau langsam, zärtlich über das Parkett bewegte, als wären sie ein noch neues Liebespaar in einer Bar voller Rauch und Whisky-Geruch, ein Paar, das sich nicht lösen kann voneinander, um nach Hause zu gehen. Nur dass er dabei in der einen Hand hinter dem Rücken der Frau ein Buch hielt und las. Ein anderes unauslöschliches Bild ist, wie er auf der Bühne in aller Ruhe ein Bügelbrett aufbaut, dann aber auf dem heißen Bügeleisen Hackfleisch brät. Die Rollen, die er schuf, erscheinen im Nachhinein wie Auftritte eines einzigen großen Werks. Rückblickend muss man sagen, dass an seiner Präsenz zu studieren war, wie jede Bewegung, wenn sie ein klassisch ausgebildeter Tänzer wie Minarik ausführt, mit einer Energie erfüllt ist, die aus dem jahrelangen Training wie aus einer unversiegbaren Quelle sprudelt.

          Minarik wurde am 25. August 1945 in Prag geboren. Nach einer Ausbildung zum Koch wurde er Tänzer, was ihm die Vermeidung des Militärdienstes ermöglichte. Er tanzte am Nationaltheater in Prag und dann in Brno (Brünn). 1969 gelang ihm die Flucht in den Westen. Am 26. Juni ist er, wie erst jetzt bekannt wurde, auf dem tschechischen Bauernhof gestorben, auf den er 2000 im Alter von 55 Jahren gezogen war, nach Beendigung seiner Tänzerkarriere. Zurück bleibt seine Frau, die Bausch-Tänzerin Beatrice Libonati, mit der er seit 1981 verheiratet war, und bleiben die beiden gemeinsamen Kinder. Mit ihnen trauert ein Weltpu­blikum des Tanztheaters Wuppertal, das unter seinen ehemaligen Protagonisten einen der liebenswertesten, interessantesten verloren hat.

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