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Solange Knowles : Sie hat Soul

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Die jüngere Schwester der Popikone Beyoncé: Solange Knowles Bild: Picture-Alliance

Längst hat Beyoncés jüngere Schwester ihren Platz am Tisch der Macht in der Popmusik eingenommen. Live ist sie vollends unwiderstehlich, wie sie jüngst in der Elbphilharmonie bewies.

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          Das Haar Farbiger – wie man in Emma Dabiris 2019 erschienenem Sachbuch „Don’t Touch My Hair“ nachlesen kann – sei niemals einfach nur Haar, immer sei es geglättet, stigmatisiert, gezähmt, gefeiert, missverstanden worden. So hatte auch Solange Knowles auf ihrer Website „Saint Heron“ die Motive ihres Songs „Don’t Touch My Hair“ geschildert. Am Montagabend sang sie ihn bei ihrem eigens für die Elbphilharmonie choreographierten und orchestrierten Konzert „Witness“, das ältere Stücke mit neuen wie „Almeda“ oder „Things I Imagined“ vom aktuellen Album „When I Get Home“ mischte. Immer wieder warf sie ihr langes, offenes Haar mit der Hand über die Schulter, von wo es federnd und glänzend zurücksprang, so wie sie selbst mit angezogenen Knien über die Bühne sprang, auf einem witzigen, aber bedeutungsvollen Marsch. „Don’t Touch My Hair“, eine von Beats unterlegte Hymne auf die Freiheit farbiger Frauen, ist von dem 2016 erschienenen Album „A Seat at the Table“.

          Längst hat Beyoncés jüngere Schwester ihren Platz am Tisch der Macht in der Popmusik eingenommen, wo sie ihre wunderschöne Stimme für Respekt und Gleichberechtigung erklingen lässt. Live ist ihre Präsenz vollends unwiderstehlich. Sie und ihre beiden Sängerinnen – das Wort Background würden sicher alle drei nicht gerne hören, und sie stehen auch meistens nebeneinander – singen mit einer lyrischen Sanftheit und Zärtlichkeit, mit einer rhythmisch spürbaren Lust an Komplexität, dass es eine Art ist. Manche Texte sind wie dichterischer Nachklang von politischem Engagement. Solange singt sie auch wie Mantren, ihr Publikum einschwörend auf die Achtung vor den Frauen, vor den Farbigen. Stolz und ernst tritt sie auf, umso überraschender wirken dann ihre sorglosen Ausbrüche in energiegeladenen Tanz und oktavenübergreifenden Jazzgesang.

          Beim Twerking jubelt die Philharmonie

          Wenn das Schlagzeug die Führung übernimmt und das Publikum – allen voran die hanseatische Black Community – von den Sitzen springt und tanzt, dann tobt Solange in geradezu kindhaft freier Beweglichkeit über das Parkett. Schaut sie ernst, wird der ganze Saal still. Bricht sie ins Twerking aus, jene unglaublich gekonnten, „bootylicious“ geschüttelten Beckenbewegungen, mit denen der Hintern rausgeschoben wird, während man in die Knie geht, jubelt die Philharmonie. Sie ist eine große Musikerin, sie hat Soul, Rhythmus, sie verkörpert den Jazz des einundzwanzigsten Jahrhunderts, sie schreibt großartige Songs, und sie ist eine der schönsten Stimmen des schwarzen Feminismus.

          Den von ihr eingeladenen Teilnehmern des Hamburger Jugendfestivals Formation Now lächelt sie ermutigend zu, steigt ins Parkett und tanzt mit einer Frau. Wie ihre New Orleans Brass Band, zehn Blechbläser, ein halbes Dutzend Streicher, Schlagwerk, Bass und Keyboards, sind sie, die acht würdevollen Tänzerinnen und die Sängerinnen, in pinkfarbene Seide gekleidet. Einige Fans auf den Rängen sind der Aufforderung Solanges auf Instagram gefolgt, sich schwarz zu kleiden. Am Schluss des grandios eigenwilligen Konzerts wirft Solange vor Vergnügen auf dem Rücken liegend die Beine in die Luft.

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