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Sir Colin Davis gestorben : Ein Maestro ohne Allüren

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Sir Colin Davis (1927 bis 2013) Bild: Getty Images

Leicht wurde es dem Autodidakten am Pult nicht gemacht - und doch war er der ideale Dirigent. Zum Tode von Sir Colin Davis.

          Wären all jene musikalischen Talente, denen man die Aufnahme an ein Konservatorium verweigert hat oder mangelnde Begabung attestierte, dadurch entmutigt worden und hätten sich, wie man früher so schön zu sagen pflegte, für einen Brotberuf entschieden - die Welt der Musik wäre um einige ihrer Größten ärmer geblieben. 

          Auch Sir Colin Davis, der jetzt im Alter von fünfundachtzig Jahren gestorben ist, könnte man dafür in den Zeugenstand rufen. Ein Studium am Royal College of Music in London hat man ihm, dem angehenden Klarinettisten, zwar nicht gerade verwehrt - aber ohne Klavierkenntnisse blieb ihm die Dirigentenklasse dieses Eliteinstituts verschlossen. Colin Davis hat dennoch Karriere gemacht, und er ist zu einem der bedeutendsten Dirigenten seiner Generation aufgestiegen.

          Leicht wurde es dem Autodidakten am Pult freilich nicht gemacht. Selbst als er sich mit Zähigkeit über die Provinz empfohlen hatte - etwa als Assistent beim BBC Scottish Orchestra in Glasgow, was Kenner der britischen Szene Mitte der fünfziger Jahre näher zu Grönland als zu London rechneten -, musste er durch das Unglück anderer seine Chance finden.

          Debüt mit zweiundzwanzig Jahren

          1959 als Einspringer für den erkrankten Otto Klemperer bei der konzertanten Aufführung von Wolfgang Amadeus Mozarts „Don Giovanni“ in der Festival Hall, ein Jahr später in gleicher Feuerwehrsmission für Sir Thomas Beecham am Opernhaus in Glyndebourne.

          Auch noch später, als Colin Davis schon ein arrivierter Dirigent geworden war, hätten all jene, die ihm partout eine Zweite-Wahl-Vita andichten wollten, durchaus Beweise dafür finden können. Erst durch den plötzlichen Tod von Kyrill Kondraschin, dem designierten Nachfolger Rafael Kubeliks als Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, rückte Davis 1983 nach in diese wichtige Position in München, die er dann allerdings für höchst produktive neun Jahre innehatte.

          Es gibt aber auch noch eine zweite Lesart seiner Künstlerbiographie, und die ließe sich erzählen als eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte: Dirigierdebüt mit zweiundzwanzig Jahren, kurz darauf Musikdirektor an Sadler’s Wells Opera, 1967 Chefdirigent des BBC Symphony Orchestra, also keineswegs an der Peripherie des musikalischen Geschehens, vielmehr in London; schließlich 1971 Nachfolger von Sir Georg Solti als Direktor des Royal Opera House Covent Garden.

          Konzentriertes Dirigieren

          Spätestens aber, als Colin Davis dann 1977 als erster Engländer am Pult des Bayreuther Festspielhauses stand, aus Anlass von Richard Wagners „Tannhäuser“ in der Inszenierung von Götz Friedrich, hätte das Royal College of Music die Aufnahmestatuten für seine Dirigentenklasse überprüfen müssen. Zu diesem Zeitpunkt galt Colin Davis, seit 1980 Sir Colin, bereits als der legitime Nachfolger des legendären Sir Thomas Beecham - und als der führende britische Dirigent.

          Mit einem anderen großen Kollegen, Sir Adrian Boult, teilte Colin Davis im Übrigen die uneitle Art des Auftritts und sein ganz auf die Sache konzentriertes Dirigieren. Beide neigten auch am Pult eher zum Understatement, nichts lag ihnen jedenfalls ferner als das Etikett eines Magiers mit dem Taktstock.

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