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Umstrittene Ehrung für El-Sisi : Ärger um den Semperopernball

  • -Aktualisiert am

Die Kulisse steht: Der Saal der Semperoper in Dresden. Bild: Matthias Creutziger

Der Chef des Semperopernballs hat dem ägyptischen Staatschef El-Sisi einen Preis verliehen. Das trug ihm heftige Kritik ein. Nun könnte der Ball platzen, die Moderatoren Judith Rakers und Roland Kaiser drohen mit Absage. Was wird jetzt?

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          Zwischen der Dresdner Semperoper und dem Semperopernball-Verein ist es zu einem schweren Konflikt gekommen. Anlass ist die Entscheidung des Künstlerischen Leiters und Chefs des Opernball-Vereins, Hans-Joachim Frey, in diesem Jahr den ägyptischen Präsidenten Abd al Fattah al Sisi mit dem St.-Georgs-Orden des Semperopernballs zu ehren.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Frey würdigte al Sisi, der auch Präsident der Afrikanischen Union ist, als „Hoffnungsträger und Mutmacher eines ganzen Kontinents“, der sich „in herausragender Weise als Brückenbauer und Friedensstifter“ zeige und als „leidenschaftlicher Unterstützer und Botschafter von Kunst und Kultur“ bekannt sei. Den Orden verlieh Frey bereits bei einer persönlichen Visite in Kairo, da al Sisi nicht am 7. Februar zum Ball nach Dresden kommen wird.

          Die Entscheidung für al Sisi hat bundesweiten Protest ausgelöst. Al Sisi hatte sich 2013 gewaltsam an die Macht geputscht und regiert Ägypten seitdem mit harter Hand. Organisationen wie „Human Rights Watch“ werfen ihm schwere Verstöße gegen die Menschenrechte vor.

          Die Kritik konnte am Dienstag auch die staatliche Semperoper nicht mehr ignorieren, in die sich der private Verein für die Veranstaltung jährlich einmietet. Die Oper „missbilligt ausdrücklich“ die Ehrung für al Sisi, erklärte Opernintendant Peter Theiler und betonte, dass sein Haus nicht in die inhaltliche Planung des Balls einbezogen sei. Die Ehrung für al Sisi führe zu massiver Irritation innerhalb der Semperoper Dresden, „die als führende Kulturinstitution stets Stellung für Freiheit, Toleranz und Menschenrechte bezieht“.

          Opernball-Chef Frey begründete die Entscheidung mit dem Bau kultureller Brücken zwischen Europa und Afrika. Womöglich geht es ihm dabei auch um eigene Interessen. Dem Internetportal tag24.de zufolge soll er mit der von al Sisis Militär errichteten neuen Oper in Kairo für einen Ball in Verbindung stehen. Bereits 2009 hatte Frey Russlands Präsidenten Putin geehrt und veranstaltet seit vergangenem Jahr den Opernball in St. Petersburg.

          Die Semperoper kündigte nun Konsequenzen „nach dem diesjährigen Event“ an. Auch von anderer Seite droht Ungemach: Die „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers und der Schlagersänger Roland Kaiser, die den Ball moderieren sollen, kündigten am Dienstag an, ihr Engagement zu überdenken.

          Am Dienstagabend reagierte Frey auf die anhaltende Kritik und entschuldigte sich. „Die Verleihung war ein Fehler.“ Zugleich erklärte er, dass die Preisverleihung an al Sisi, die per Video eingespielt werden sollte, auf dem Ball keine Rolle mehr spielen werde.

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