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Schumanns Skizzen versteigert : Frankfurter Faustkampf

Lange wollte Schumann selbst Dichter werden. Jean Paul und die Frühromantiker waren wegweisend für ihn, sein Leitstern aber blieb Goethe. Bild: Universal History Archive

Mehr als 150 Jahre waren Robert Schumanns legendäre „Faust“-Skizzen nicht zugänglich. Jetzt hat das Freie Deutsche Hochstift sie ersteigert. Dass der Coup überhaupt gelang, ist dem Geschick der Frankfurter zu verdanken.

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          Faust“ wurde Robert Schumann als Jugendlicher gerufen, wohl weil er, wie man sich erzählt, vor Publikum die Monologe des urdeutschen Unruhegeists gern zum Besten gab. Der Spitzname soll ihm nicht recht gewesen sein, und doch deutete sich bereits darin die lebenslange Beschäftigung Schumanns mit Goethe an. Der Komponist, der lange Zeit selbst mit dem Gedanken spielte, Dichter zu werden, war Intensivleser. Über seinen Vater, einen Buchhändler, kam er früh auch mit den Romantikern in Berührung, er las Schlegel und Tieck, und seine Eichendorff- und Heine-Vertonungen gehören zum Schönsten, was die Liedkomposition hervorgebracht hat. Jean Paul und die Frühromantiker waren für ihn wegweisend, sein Leitstern aber blieb Goethe. Das Ergebnis der poetisch-musikalischen Auseinandersetzung mit ihm, die nach fast zehnjähriger Arbeit 1853 fertiggestellten „Szenen aus Goethes Faust“, sind bis heute für die Musikwelt eine Herausforderung – und wurden erst in jüngster Zeit wieder neu entdeckt.

          Sandra Kegel

          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

          In ihrer offenen Form war die avantgardistische Komposition ihrer Zeit voraus. Die durch keinerlei Übergänge verbundenen Szenen aus beiden „Faust“-Teilen changieren zwischen weltlichem Oratorium, Kantate, Chorsinfonie sowie Oper und verleihen dem Werk Fragmentcharakter. Das zeitgenössische Publikum reagierte verstört. Doch auch die heutige Aufführungspraxis ist durch den Einsatz mehrerer Chöre und eines großen Orchesters herausgefordert. In den vergangenen Jahren haben sich Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt und Daniel Barenboim für das Werk stark gemacht, das zuletzt zur Wiedereröffnung der Berliner Staatsoper am Tag der Deutschen Einheit 2017 aufgeführt wurde. Dass es lange Zeit dennoch unterschätzt wurde, liegt wohl auch an seiner disparaten Entstehungsgeschichte.

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