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Schlingensiefs Afrika-Projekt : Weit und breit keine Oper

  • -Aktualisiert am
Christoph Schlingensief, aufgenommen beim Start seines Projektes

Fürs Operndorf ist sie auf Spenden angewiesen, die zu bekommen nach dem Tod ihres Mannes schwieriger geworden ist. „Christoph konnte mit seinem Charme Leute ganz anders begeistern, als ich es kann“, sagt sie. Vor kurzem hat sie bei einer Auktion in Berlin, für die Künstler wie Marina Abramovic, Matthew Barney oder John Bock Arbeiten zur Verfügung stellten, etwas über eine Million Euro gesammelt. „Für die Krankenstation reicht das dicke, wie es weitergeht, weiß ich noch nicht. Da muss ich mir halt wieder was einfallen lassen“, sagt sie und lacht.

Warum Burkina Faso?

Laberenz hat ein Team von zwei Mitarbeiterinnen, auch der Anwalt Peter Raue unterstützt das Projekt. Doch es ist sie, die die Verantwortung für Bauarbeiten und den laufenden Schulunterricht trägt, die sich, wenn es zwischen verschiedenen Parteien vor Ort zu Spannungen kommt (was auf einem Bau ebenso passiert wie in jeder anderen Zusammenarbeit), mit allen zusammensetzt und nach Lösungen sucht, was sie mit ruhiger Autorität tut. Und sie war es auch, die zwischen den Häuptlingen vermittelt hat, in deren Einflussbereich das Operndorf liegt. Drei haben in dieser Gegend das Sagen, und zwei von ihnen sind seit Jahren miteinander verfehdet. Dass es einer Deutschen gelungen ist, sie an einen Tisch zu bekommen und von beiden ihr Okay zu diesem Projekt, wird von den Menschen vor Ort als mittleres Wunder angesehen, wie dem ungläubig lachenden Kopfschütteln zu entnehmen ist, mit dem sie mir von dieser Tatsache berichten. Die zerstrittenen Häuptlinge sind für den Köhler-Besuch beide erschienen - sehr eindrucksvoll in bodenlangen Gewändern, der eine mit Säbel - während des Wartens tun beide so, als sähen sie den anderen nicht, sitzen aber nicht weit voneinander entfernt.

Warum eigentlich ausgerechnet Burkina Faso? “Christoph hatte ja eine lange Geschichte mit Afrika“, sagt Laberenz. „Er hat da oft gearbeitet, ist immer wieder dorthin gereist. Ich glaube, das hat damit zu tun, dass er sich sehr mit dem Begriff von Heimat auseinandergesetzt hat. Und auch wenn es kitschig klingt, ist man in der Fremde natürlich viel mehr mit sich selbst konfrontiert und damit, woher man kommt.“ Nachdem die Idee zum Operndorf entstanden war, seien sie viel durch Afrika gereist, auf der Suche nach dem richtigen Ort. „Dann hat Christoph den Filmemacher Gaston Kaboré kennengelernt, der aus Burkina kommt und mit ihm zusammen in der Berlinale-Jury war. Der hat ihm von der Filmszene hier erzählt. Und als wir dann hier waren, hat sich der Kultusminister für das Projekt begeistert und uns das Stück Land geschenkt, auf dem wir jetzt bauen.“

Ein kurzes Gruppenfoto

Inzwischen ist es fast vier, Köhlers Besuch war für zwei Uhr angesagt, und die Kinder, die an ihrem schulfreien Tag gekommen sind, um für den hohen Besuch aus Deutschland ein Lied zu singen, das sie eigens für diesen Anlass einstudiert haben, stehen etwas unschlüssig herum. Viele scheinen Freunde oder Geschwister mitgebracht zu haben, es sind auf jeden Fall weit über fünfzig. Auch vom Goethe-Institut ist jemand da; außerdem der Mitarbeiter der Organisation Grünhelme, der die Bauarbeiten leitet; und viele andere, Schwarze und Weiße. Schlingensiefs Berlinale-Jurykollege Gaston Kaboré muss schon wieder gehen, was er bedauert, er habe aber leider einen anderen Termin. Und dann, als alle schon ganz matt sind vom langen Warten in der Hitze, kommt auf einmal Nervosität auf, ein Auto-Konvoy nähert sich der Anlage, wird von motorisierten Polizisten mit Blaulicht begleitet, wirbelt roten Staub auf.

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