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Schauspielerin in Coronazeiten : Keine Posen, immer Haltung

  • -Aktualisiert am

Willensstark: Julia Windischbauer Bild: privat

Sie hat gerade erst angefangen. Nun scheint schon wieder alles vorbei. Ein Porträt der jungen Schauspielerin Julia Windischbauer, die seit dieser Spielzeit im Ensemble des Deutschen Theaters ist.

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          Erst hat sie an den Münchner Kammerspielen einen Staubsauger gespielt und wurde mit „The Vacuum Cleaner“ von Toshiki Okada zum Berliner Theatertreffen 2020 eingeladen – das Corona-bedingt ausschließlich im Internet stattfand. Wenig später spielte sie Elisabeth I. in Friedrich Schillers Königinnendrama „Maria Stuart“ am Deutschen Theater Berlin – und musste kurz danach in die erzwungene Corona-Pause gehen. Julia Windischbauer, neu im Ensemble und von Kritik wie Publikum begeistert aufgenommen, wurde im besten Lauf ausgebremst. Denn überdies wurde eine fast zu Ende geprobte Produktion mit ihr nicht fertiggestellt und kann also nicht gezeigt werden, andere Projekte wurden komplett abgesagt. Ein regulärer Spielbetrieb ist frühestens ab Ostern zu erwarten.

          Julia Windischbauer setzt sich mit dieser belastenden Situation nicht in Berlin auseinander, sondern ist nach Österreich ausgewichen, wo sie 1996 in Linz geboren wurde und wo ihre Familie wohnt. „Es ist schön, mal wieder länger hier zu sein“, sagt sie fröhlich am Telefon, als wäre das Glas für sie meist halb voll, nicht halb leer. Sie trifft sich – auf Abstand – mit alten Freundinnen und Freunden, wandert durch den Schnee, nutzt die Zeit, um über ihre Existenz und ihren Beruf nachzudenken – zum Beispiel indem sie sich mit Friedrich Nietzsche beschäftigt und jetzt aus „Menschliches, Allzumenschliches“ zitiert: „Künstler sind keineswegs die Menschen der großen Leidenschaft, aber häufig geben sie sich als solche, in der unbewussten Empfindung, dass man ihrer gemalten Leidenschaft mehr traut, wenn ihr eigenes Leben für ihre Erfahrung auf diesem Gebiete spricht.“

          Auf der Suche nach anderen Formen

          Und schon sind wir zurück bei der Pandemie. „Normalerweise erlebe ich viel, ich bin ein sehr spontaner Mensch und sammle unzählige Eindrücke, die ich dann in die Ausgestaltung meiner Rollen einfließen lasse“, erzählt Windischbauer: „Doch wie kann ich mir die Leidenschaft in meinem Beruf bewahren, wenn ich keinen Input kriege und alle Gefühle in die soziale Leere laufen? Deshalb bin ich auf der Suche nach anderen Formen der Inspiration. Aus welchen Ressourcen kann ich schöpfen, um meine Figuren mit der Tiefe zu bereichern, die sie verdienen?“ Zur Bühne wollte Julia Windischbauer, seit sie als vierjähriges Mädchen ihren Großvater in seine Linzer Laienspielgruppe begleitete, bei den Vorbereitungen der Aufführungen und dem Aufbau des Bühnenbildes zusah und auch Getränke ausschenkte. Parallel zum Gymnasium absolvierte sie eine Musical-Ausbildung, tanzte und sang mit Freuden, das eine begabt, das andere – „leider!“ – nie ganz notengetreu: „Das Singen bereitet mir einfach riesigen Spaß, nicht bloß unter der Dusche!“ 2016 begann sie ihre Ausbildung an der Otto Falckenberg Schule in München und wurde in den dortigen Kammerspielen noch vor dem Abschluss festes Ensemblemitglied. 2019 wurde ihr der O.E. Hasse-Preis der Berliner Akademie der Künste verliehen, und Jury-Mitglied Klaus Völker lobte: „Bei ihr hängt wirklich alles an seidenen Fäden. Eine Gefühlsartistin. Eine Könnerin, bei der nichts ‚gemacht‘ ist. Keine Posen, immer Haltung.“

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