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Helmuth Lohner ist tot : Spieler der brüchigen Charaktere

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Er wollte immer weiterspielen: Helmuth Lohner als „Valmont“ bei einer Probe von Heiner Müllers „Quartett“ im Februar 2014. Bild: dpa

Komödien, Tragödien, Dramen: Helmuth Lohner überzeugte in vielen Rollen und auf den wichtigen Bühnen. Seinen ersten Auftritte aber ließen vom künftigen großen Schauspieler-Leben noch kaum etwas ahnen.

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          Die Kritiker lobten ihn als facettenreichen, disziplinierten und hochsensiblen Darsteller und „Menschengestalter“: Helmuth Lohner galt als einer der profiliertesten Charakterdarsteller seiner Generation. Sein Tod bedeute einen großen Verlust für das deutschsprachige Theater und großen Schmerz für alle, die ihn kennen und ihm nahestanden, sagte der Direktor des Wiener Theaters in der Josefstadt, Herbert Föttinger. Dieses Theater war praktisch Lohners Hausbühne. Dort war er nicht nur Schauspieler, sondern von 1997 bis 2006 auch künstlerischer Direktor. Trotz schwerer Krankheit hatte er bis zuletzt weitere Pläne: Im Dezember wollte Lohner im Wiener Theater wieder auftreten, im Arthur Schnitzler Einakter „Anatol“. Im Alter von 82 Jahren ist Lohner nun in der Nacht zum Dienstag gestorben.

          Mit seinem Geburtsjahr 1933 haderte Lohner gern. „Ich habe es meinen Eltern übelgenommen, dass sie im Jahr von Hitlers Machtergreifung noch ein Kind zeugten“, sagte er einmal. Als Sohn eines Schlossers in Wien geboren, machte Lohner nach der Schulzeit eine Grafiker-Ausbildung, holte abends das Abitur nach und nahm privaten Schauspielunterricht. Seine erste Rolle erhielt er am Stadttheater Baden als Chorsänger und schaffte schließlich den Sprung an das Theater in der Josefstadt in Wien. Dort zeigte er später als Intendant angesichts der Finanzkrise des Hauses wahres Engagement: Er stand an zweihundert Abenden selbst auf der Bühne, um Kosten zu sparen.

          Jahrelang der „Jedermann“

          Am Anfang seiner Karriere stand eher das Seichte: Operettenfilme wie das „Dreimäderlhaus“, die Komödie „Witwer mit fünf Töchtern“ oder eine Rolle an der Seite von Romy Schneider im rührseligen Spielfilm „Die schöne Lügnerin“. Später waren Helmuth Lohner die Filmerfolge der Fünfziger Jahre wegen fehlenden künstlerischen Anspruchs fast peinlich. „Für einen Schauspieler misst sich Popularität daran, ob er ins Fernsehen kommt. Popularität wird leicht mit wirklichem Erfolg gleichgesetzt“, sagte er einst in einem Interview.

          Helmuth Lohner (re.) als „Jedermann“ mit   Sunnyi Melles (li.) als „Buhlschaft“ bei den Salzburger Festspielen 1990.
          Helmuth Lohner (re.) als „Jedermann“ mit Sunnyi Melles (li.) als „Buhlschaft“ bei den Salzburger Festspielen 1990. : Bild: dpa

          Dank seines einfühlsamen Spiels schaffte Lohner jedoch den Sprung ins ernste Bühnenfach. Dort waren brüchige Charaktere seine Spezialität. Als Schauspieler feierte er Erfolge in den großen Häusern wie in München, Berlin, Düsseldorf und Zürich. In den Achtziger Jahren band er sich als Schauspieler fest an das Wiener Burgtheater. Dort war er unter anderem in der Titelrolle des „Prinzen von Homburg“ von Kleist zu sehen. Bei den Salzburger Festspielen spielte er jahrelang den „Jedermann“.

          Lohner brillierte auch als „Hamlet“, „Faust“ und „Mephisto“. Neben dem tiefernsten Fach konnte der Opernfreund mit seiner komödiantischen Ader die Zuschauer zum Lachen bringen. Ab den Neunziger Jahren wurde Lohner auch als Regisseur tätig und inszenierte Opern und Operetten. Zu seinen Auszeichnungen zählen die Kainz-Medaille (1980) und der Titel Österreichischer Kammerschauspieler (1993). Über das Alter meinte Lohner: „Früher sagte man, da will ich wieder hin. Eines Tages ertappt man sich bei einem anderen Satz: Da will ich noch mal hin.“

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