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„Saturday Night Fever“ : Revival der Föhnfrisur

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Hoch das Bein! Szene aus „Saturday Night Fever“ bei den Festspielen Bad Vilbel Bild: Burgfestspiele/Eugen Sommer

Am Premierenabend riss es bei der Zugabe mit „Stayin’ alive“ alle in der Wasserburg von den Sitzen. „Saturday Night Fever“ bei den Burgfestspielen Bad Vilbel.

          Wer Ende der siebziger Jahre ein Teenager war, musste sich entscheiden. Entweder weiter mit zottigen Haaren, Jeans und Parka durch die Gegend laufen oder sich der neuen Bewegung anpassen: Auf einmal sah man überall Föhnfrisuren, gegeltes Haar und Stoffhosen. Dass die beiden Gruppen füreinander nur Verachtung übrig hatten, versteht sich von selbst.

          Auslöser dieses Kulturwandels war der Tanzfilm „Saturday Night Fever“, der die Geschichte des aus armen Verhältnissen stammenden Jungen Tony erzählt, dessen großer Traum es ist, aus seiner engen Welt in Brooklyn herauszukommen und drüben in Manhattan Karriere als Tänzer zu machen. John Travolta wurde in dieser Rolle über Nacht zum Star, und der Soundtrack der Bee Gees zum Film wurde zu einer der am meisten verkauften Platten aller Zeiten. Kein Wunder, dass das 1998 uraufgeführte Musical von Robert Stigwood und Bill Oakes mit den Disco-Ohrwürmern der Gruppe seitdem ebenso erfolgreich ist.

          Jenseits aller nostalgischen Schwelgerei

          Bei den Burgfestspielen in Bad Vilbel kann man sich nun davon überzeugen, dass die Musik auch jenseits aller nostalgischen Schwelgerei nichts von ihrer schillernden Glamour-Magie und Kraft verloren hat. Begleitet von einer leider neben der Bühne versteckten Live-Band (Musikalische Leitung Markus Höller), bietet das singende und tanzende Ensemble vom ersten Moment an eine mitreißende Performance. Der gesamte Soundtrack besteht aus Welthits, die jeder mitsingen kann: „Stayin’ alive“, „Night fever“, „You should be dancin’“, der Schmachtfetzen „How deep is your love?“ und viele andere. Die zupackenden Arrangements klingen sehr heutig und beweisen nebenbei, dass die Songs auch ohne den oft als penetrant empfundenen Falsett-Gesang der Brüder Gibb funktionieren.

          Die Kraft der Musik und die vielen Tanzszenen können allerdings nicht ganz kaschieren, dass die Handlung und die Dialoge doch reichlich dünn daherkommen. Da ist der frauenverschleißende Macho Tony (Sascha Luder) mit seiner Aufreißer-Gang, da sind die typisierten italo-amerikanischen Eltern und die ausgerechnet zu den gröbsten Jungs aufschauenden Mädels, allen voran die heillos in Tony verschossene Annette (Janice Rudelsberger). Dass er nicht mit ihr, sondern mit der reiferen Stephanie Mangano (Nathalie Parsa) den Tanzwettbewerb bestreitet, ist nicht sein einziger Verrat. Auch für seine Kumpels hat der ganz von sich und seinem Karrieretraum besessene Tony kaum Zeit. Dass Bobby, der ein Mädchen geschwängert hat, seiner Not nur mit einem als Mutprobe getarnten Selbstmord entgehen kann, führt immerhin zu einem Reifungsprozess bei Tony. Das leise melancholische Ende entschädigt hier für die vorhergegangene Stereotypenparade.

          Gesang auf hohem Niveau

          Regisseur Benedikt Bormann und die Choreographin Amy Share-Kissiov haben sich auf die wirkungsvoll die ganze Breite der Bühne nutzenden Tanz- und Gesangselemente konzentriert, das Geplänkel zwischendurch mit den vielen deutschen und englischen Schimpfwörter mag vor allem dazu dienen, dass Sänger und Tänzer wieder zu Atem kommen. Sascha Luder spielt den Tony mit Underdog-Charme und macht sogar seine Wandlung am Ende halbwegs plausibel.

          Gesungen wird auf hohem Niveau, wobei vor allem die wuchtige Soul-Stimme von Sonja Hermann herausragt. Einige der Sängerinnen gerieten in den Höhen doch an ihre Grenzen. So richtig in Party-Stimmung kam das Publikum am recht frischen Premierenabend noch nicht, erst bei der Zugabe mit „Stayin’ alive“ riss es alle von den Sitzen. Etwas mehr sommerliche Wärme aber wird das Samstagnachtfieber sicher in die Höhe treiben.

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