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Sandra Hüller im Gespräch : Vorhang auf, alles raus!

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Für Ihre erste richtige Hauptrolle in einem Spielfilm haben Sie 2006 gleich den Silbernen Bären bei der Berlinale bekommen, das war die Michaela in „Requiem“ von Hans-Christian Schmid. Gab es noch mehr solche Aschenputtel-Momente in Ihrem Leben?

Die gab es tatsächlich öfter. Ich hatte immer viel Glück. Allein, dass ich, da hatte ich noch kein Abitur, sofort bei der Ernst-Busch-Schule genommen wurde, war ja so eine Unvorstellbarkeit.

Sie waren jetzt auch in „Finsterworld“ von Frauke Finsterwalder und Christian Kracht zu sehen: als Dokumentarfilmerin, die an den Menschen verzweifelt und es jetzt mit Tierfilmen versucht. In der letzten Szene starren Sie in Safariuniform rauchend auf den Kilimandscharo. Können Sie erklären, worum es in dem Film geht?

Nein, obwohl ich Ihnen jede einzelne der Episoden erzählen kann. Frauke Finsterwalder und Christian Kracht haben immer betont, dass es um die Unmöglichkeit von Kommunikation geht. Die Figuren in dem Film fassen sich so gut wie nie an. Dass tun sie heute in Filmen überhaupt sehr wenig – und wenn, dann hat es immer gleich ganz viel zu bedeuten. Nichtkommunikation und Vereinzelung, darum ging es ja auch viel in „Gasoline Bill“ von René Pollesch hier an den Kammerspielen, meiner ersten Arbeit mit ihm.

Wie hat das funktioniert? Am Anfang Ihrer Karriere haben Sie noch gesagt, dass Sie Klarheit wollen, Charaktere, die die Zuschauer verstehen. Das ist so ziemlich das Gegenteil von dem, was Pollesch am Theater interessiert.

Das hat gut funktioniert. Ich bin ja sehr neugierig und hatte mir auch schon länger gewünscht, mit René Pollesch zu arbeiten. Ich wollte einfach wissen, wie das ist.

Und, wie ist es?

Interessant. René Pollesch hat Vorstellungen vom Theater, die mit meinen persönlichen Erfahrungen so gar nichts zu tun haben. Er will – wenn ich das richtig verstanden habe, ich bin da Anfängerin – gegen eine Theaterroutine angehen, die ich gar nicht kenne, kämpft zum Beispiel gegen das diktatorische Gehabe von Regisseuren, das ich nicht kenne und nicht bekämpfen muss. Sein Theater hat etwas von Kleists „allmählicher Verfertigen der Gedanken beim Reden“, weil man sehr oft mitten in einem Satz noch überhaupt keine Ahnung hat, wohin der führen und wie er enden wird.

Noch einmal zurück zu „Finsterworld“: Sind Sie tatsächlich für diese eine letzte Szene nach Tansania geflogen?

Ja, für einen Tag. Ich fand das auch unfassbar, dass ich das machen durfte. Wir durften nach dem Dreh sogar noch ein wenig auf Safari gehen.

Haben Sie manchmal Fernweh?

Nein, ich habe eher Heimweh, nach meiner Familie.

Lebt die noch in Friedrichroda im Thüringer Wald?

Nein, die sind heute alle über Thüringen und Sachsen verstreut. Es ist komisch, aber es gibt keinen Ort mehr, von dem ich herkomme. Der erste Wohnort meiner Eltern, das Haus in Oberhof, gibt es nicht mehr. Und das in Friedrichroda, wo ich zur Schule ging, gehört heute anderen Leuten. Gerade weil es alles weg ist, fehlt es mir wohl so.

Wie alt waren Sie, als die Mauer fiel?

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