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Salzburger Osterfestspiele : Bachler gewinnt Machtkampf gegen Thielemann

  • -Aktualisiert am

Dirigent Christian Thielemann mit den Wiener Philharmonikern Bild: dpa

Sowohl der aktuelle als auch der designierte künstlerische Leiter waren sich einig, dass es nur einen von ihnen bräuchte. Jetzt kam es zu einer Entscheidung – obwohl eine Doppelspitze geplant war.

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          „Es wird ein starkes Duo: Thielemann und Bachler.“ Das verkündete der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer im Februar dieses Jahres, nachdem die Generalversammlung und der Aufsichtsrat der Osterfestspiele den Noch-Intendanten der Bayerischen Staatsoper, Nikolaus Bachler, vom Jahre 2022 an zum Geschäftsführer bestellte – mit der Vollmacht für künstlerische Entscheidungen. Christian Thielemanns Erklärung, dass eine Zusammenarbeit mit Bachler für ihn, der bislang ebenfalls künstlerische Entscheidungen zu verantworten hat, undenkbar sei, wurde ebenso ignoriert wie des Dirigenten Frage unbeantwortet blieb, ob ein kurzes Festival zweier künstlerischer Leiter bedürfe.

          Über das Ergebnis der langwierigen Meuchelei erfuhr der im Urlaub auf Sylt weilende Dirigent gestern kurz vor einer Pressekonferenz, bei der Haslauer bekannt gab, dass Thielemann zwar den für 2022 angekündigten und bis in die Besetzung hinein geplanten „Lohengrin“ von Richard Wagner dirigieren dürfe, vom Jahr 2023 an aber in Salzburg nicht länger gebraucht werde, genauso wie die Sächsische Staatskapelle Dresden. Thielemann zeigte sich, wie zu hören war, „konsterniert“. Konsterniert ist ein eher euphemistisches Wort für die nach der Machtergreifung nur in vagen Andeutungen umrissenen Pläne Bachlers.

          Künftig sollen jedes Jahr ein anderer Dirigent und ein anderes Orchester zu Gast sein – und, dem Zeit-Ungeist entsprechend, mit „populäreren Programmen“. Wie soll das gehen, und was soll geschehen? Sollen die reisenden Orchester bei ihren Europa-Tourneen zu einer Stipp-Visite in Salzburg einkehren? Das würde Werke aussparen, die Thielemann und sein künstlerischer Weggefährte Peter Ruzicka aufs Programm gesetzt haben: wie etwa Wolfgang Rihms „Ernster Gesang für Orchester“; oder Sofia Gubaidulinas „Der Zorn Gottes“; oder Arnold Schönbergs „Gurre-Lieder“. Schluss also mit allen modernistischen Zumutungen, mit denen Ruzicka und vor allem Thielemann ja nie sehr weit gegangen sind; und an derer statt vielleicht eine Out-Door-Gala mit einer wie immer gearteten Musik der Seele oder der Verkaufstüchtigkeit? Festival-Lustbarkeiten vertragen sich kaum mit der etwa von den Sommerfestspielen immer wieder beanspruchten Ernsthaftigkeit der Programmgestaltung.

          Über die Pläne der neuen künstlerischen Leitung ist bisher wenig bekannt. Aber vor den Verkaufsgesprächen wäre es an der Zeit, die Idee und den Sinn von Festspielen in Erinnerung zu rufen: Dass ein Ereignis nur Größe haben kann, wenn zwei Dinge zusammenkommen: der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die daran teilhaben.

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