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„Così fan tutte“ in Salzburg : Nun bitte heraus aus dem lustigen Typen-Knast!

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Geeint in Trunk und Freude und Klischee: Julia Kleiter als Fiordiligi (links) und Angela Brower als Dorabella in der Salzburger „Così fan tutte“ Bild: Imago/Ernst Wukits

Mit „Così fan tutte“ geht in Salzburg das Da-Ponte-Paket zu Ende – und die Ära des allmächtigsten, omnipotentesten Aushilfsopernintendanten aller Zeiten: Sven-Eric Bechtolf.

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          Raus aus der Mozarthölle, glücklich ist, wer vergisst. So lauten zwei der guten Vorsätze, die Sven-Eric Bechtolf seiner letzten Spielzeit implantierte. Unsichtbar, versteht sich. Bechtolf hatte für nur zwei Sommer, in aller Demut oder auch Hybris (beides möglich, kaum auseinanderzuhalten), die Rolle des allmächtigsten, omnipotentesten Intendanten gespielt, den die Salzburger Festspiele in ihrer bald hundertjährigen Geschichte jemals gehabt haben. Er spielte sie glänzend.

          Eigentlich war er eingesprungen für Alexander Pereira, als der das Handtuch warf. Strenggenommen verwaltete Bechtolf nur Reste der Pereiraschen Pläne. Und doch setzte sich, in allen Sparten, sofort eine spezifisch Bechtolfsche Retro-Ästhetik durch, die dem aktuellen Tagesgeschehen die Tür weist und dem Publikum stattdessen leicht verderbliches Vergnügen um jeden Preis verordnet. Bechtolf unterdessen arbeitet wie verrückt, als Opern- und Schauspielintendant, als Schauspieler, Regisseur, Übersetzer, Bühnenbildner und als seine eigene Pressestelle. Nur dirigiert hat er nicht. Auch das Singen der Gräfin Almaviva überließ er, nolens volens, seiner Gattin.

          Von Umbesetzungen und Umzügen durchlöchert

          „La nozze di Figaro“ wird, als eine von drei Opern, die Wolfgang Amadeus Mozart nach einem Libretto von Lorenzo da Ponte komponierte, zum letzten Mal in der Regie von Bechtolf gezeigt. Auch mit „Don Giovanni“ und „Così fan tutte“ ist nun Schluss. Dieses Da-Ponte-Opern-Paket, eine von Umbesetzungen und Umzügen durchlöcherte Neufassung dessen, welches von Bechtolf zuvor schon einmal für das Opernhaus Zürich inszeniert worden war, ist weder musikalisch noch szenisch aus einem Guss. Erst recht gelang es nicht, wie ehrgeizig angesagt, ein neues „Salzburger Mozart-Ensemble“ aufzubauen. Im Gegenteil: Jedes Drittel der Trilogie wurde, von Jahr zu Jahr, immer wieder aufgefrischt mit neuen „jungen Mozartstimmen“, die immer weniger hielten, was versprochen war. Ja, man konnte buchstäblich zuschauen beim Sinken des Niveaus. „Von den schönen Plänen“, bilanzierte dieser Tage die Austria Presse Agentur, seien am Ende „vor allem die schlechten Kritiken dreier magerer Mozart-Jahre übrig“ geblieben.

          Dennoch: Die Da-Ponte-Trilogie kam so gut an, dass sie von Unitel auf DVD verewigt wurde. Sind Salzburgs Kritiker wirklich so sauertöpfisch vernagelt (wie Pressechef-Bechtolf gern behauptet)? Will sich das gutbetuchte Festspielpublikum wirklich nur möglichst billig amüsieren (wie die Kritiker seit Karajans Zeiten gern mal mutmaßen)? Beides wäre rein polemisch, purer Unfug. Der Teufel steckt vielmehr im Detail.

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