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Salzburger Festspiele : Hoch das Horn!

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Die Salzburger Festspiele präsentieren „Fragmente – Stille“. Bild: Marco Borrelli

Von mitteilungsfreudigen Komponisten und Klangereignissen im pianissimo: Bei den Festspielkonzerten „Fragmente – Stille“ klingt nicht alles groß. Dafür gibt es Ohrwurm-Potential.

          3 Min.

          Nachts seien unsere Sinne in ständiger Alarmbereitschaft, sagt der italienische Komponist Salvatore Sciarrino. Doch was hören wir, wenn wir vermeintlich nichts hören? Diese Frage stellt der mittlerweile Dreiundsiebzigjährige in seinem Ensemblestück „Introduzione all’oscuro“ für zwölf Instrumente von 1981, für das er tief in das Innere seines Körpers lauschte.

          Ganz unmittelbar fühlt man die Beschleunigung des Herzschlages, den Oboe und Klarinette ohne Mundstück durch das Schließen einzelner Klappen verklanglichen; ganz plastisch hört man das Zittern in den tremolierenden Streichern, das zunehmend panisch hechelnde Ein- und Ausatmen des Posaunisten durch das abgenommene Kesselmundstück.

          Sciarrino spannt einen eindrücklichen wie facettenreichen Bogen nächtlicher Gefühlszustände, die von kompletter Entspannung bis zur höchsten Erregung reichen. Feinfühlig und mit großer lautmalerischer Entdeckerfreude entwickelt das Klangforum Wien unter der Leitung von Sylvain Cambreling für das letzte Konzert der Reihe „Fragmente – Stille“ bei den Salzburger Festspielen einen dichtgedrängten Sog, der leider schon nach achtzehn Minuten sein Ende findet.

          Im Programmheft über alles Mögliche schwadroniert

          Zuvor spielt Christoph Walder von der Orgelempore der Kollegienkirche die Uraufführung von Sciarrinos „Agitato cantabile (capriccio sulla lontananza)“ für Horn solo, ein flaches Gelegenheitswerkchen, das der Komponist während des coronabedingten Lockdowns schrieb. Es ist schon bemerkenswert, wenn der mitteilungsfreudige Komponist in seinem im Programmheft abgedruckten vierseitigen Essay über alles Mögliche schwadroniert – über die „chaotischen Erlässe der Behörden“, über die „Sümpfe der kollektiven Ignoranz“, über seine „verlorene Würde“, über den „Zerfall der sozialen Gemeinschaft“, über eine Windrose auf einer barocken Fassade in seinem Wohnort Città di Castello –, über sein neues Werk jedoch selten ein Wort verliert.

          Im Zentrum der dreiteilig angelegten Komposition steht ein jambisch rhythmisiertes Viertonmotiv, b – cis – b – c, das immer wieder in den unterschiedlichen Registerlagen auftaucht und so eine latente Zweistimmigkeit suggeriert. Jedoch klingt das Werk mit seinen schnellen Verzierungen und abrutschenden Glissandi in der halligen Kirchenakustik – pardon – schrecklich jämmerlich.

          Ob es wirklich „gesungene Klagelaute aus der Isolation“ sind, wie es in einem zweiten Essay von Walter Weidringer heißt? Jedenfalls bleibt auch die Konstruktionsweise des Werks hinter vielen anderen Kompositionen Sciarrinos zurück. Der letzte Teil ist satztechnisch mit dem ersten schlicht identisch; nur die Oktavlage der einzelnen Tongruppen wurde wenig innovativ verändert.

          Ikone der musikalischen Avantgarde

          Das eigentliche Hauptwerk der Konzertreihe ist jedoch sowieso Luigi Nonos viel- diskutiertes Streichquartett „Fragmente – Stille. An Diotima“, das als eine Ikone der musikalischen Avantgarde gilt. Doch auch vierzig Jahre nach der Uraufführung beim Beethovenfest in Bonn stellt sich die Frage, wie man diesem kryptischen und vielschichtigen Spätwerk des italienischen Komponisten und überzeugten Kommunisten begegnen soll, das gemeinhin als Wendepunkt von seinen politisch motivierten Kompositionen hin zu einer neuen Innerlichkeit verstanden wird.

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