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Salzburger Festspiele : Dirigent auf Ego-Trip

  • -Aktualisiert am

In Salzburg der Mittelpunkt einer fragwürdigen Show: Dirigent Teodor Currentzis Bild: Foto Anton Zavyalov

Wie mit dem Holzhammer inszeniert und von Teodor Currentzis nach Art eines Sektenführers dirigiert: Der „Don Giovanni“ in Salzburg gerät zum ästhetischen Terroranschlag.

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          Ein Nachwort, aus Irritation, aus Verzweiflung, aus Zorn: Nach einem ästhetischen Terroranschlag wie dem mit dem Holzhammer inszenierten Salzburger „Don Giovanni“ ist es nicht leicht, die Gedanken zu ordnen oder zu sortieren. Ich habe die Aufführung, bei der die Einfälle und Pointen wie von Kartätschen abgeschossen wurden, in ihrem Verlauf zunehmend als Belästigung empfunden. Habe den Zwang, ein Dauer-Quiz von Bildern enträtseln oder mich über den faulen Zauber szenischer Kalauer amüsieren zu müssen, als Anmaßung verstanden.

          Ging es dem Regisseur und dem Dirigenten, beide längst als sacred cows unantastbar, um die Demonstration, dass die Oper aller Opern eben kein „schönes“ Stück ist, sondern eine Orgie der Zerstörung? Ging es also um jene Lust, die mit Ekel verbunden ist? Wie befremdlich aber die seltsame Empfindung, in der halb schlaflosen Nacht nach der Aufführung vom Gewitter all dieser Bilder verfolgt zu werden und so etwas zu erleben wie eben – jene Wollust des Ekels. Oder sich Schuld zuzuweisen nach der Maxime: Wenn eine Inszenierung und der Kopf eines Rezensenten zusammenprallen und es hohl klingt, muss es dann in der Inszenierung sein? Dass das Publikum die Comedy-Orgie der Aufführung mit brausendem Jubel belohnte, war ein Erfolg, so wie es ein womöglich größerer Erfolg gewesen wäre, wenn es mit einem Gebrüll der Wut reagiert hätte. Das ist die nicht einmal mehr nur geheim ins Kalkül gezogene Identität von Bravo und Buh.

          Salzburgs Intendant Markus Hinterhäuser, zu dessen ausgepichter Klugheit ebendiese Fähigkeit des kühlen Kalküls ebenso gehört wie die Bereitschaft, das Verantwortungslose zu verantworten, hat im Gespräch gesagt, dass er bei der Planung des Festivals nicht länger auf die Namen von Dirigenten setzen kann, die ausverkaufte Häuser garantieren wie einst Karl Böhm oder Herbert von Karajan. Dass die Ära des dirigentischen Absolutismus aus dem Geist der human-demokratischen Nivellierung als Inkarnation von Macht beendet ist, wird als Fortschritt gefeiert.

          Umso seltsamer, dass die Besucher des „Don Giovanni“ den schamlosen Ego-Trip des Dirigenten Teodor Currentzis feierten, der sich für die Wein-Arie mit seinem Orchester auf die Bühne hieven und sich im Flammen von Stroboskop-Blitzen als den wahren Protagonisten feiern ließ. Während sich das Publikum nicht länger zu den Messen jener alten Kunstpriester einfinden mag, folgt es nun dem Lockruf eines Sektenführers; bejubelt es einen von medialem Weltruhmesglanz verstrahlten Egomanen, ohne zu ahnen oder zu spüren, dass es von ihm verachtet wird. Ist es zur größten Leistung der Kulturproduktion geworden, Publikum zu schaffen?

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