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Sängerin Rebekka Bakken im Gespräch : Warum ist es in New York so friedlich?

  • -Aktualisiert am

Können Sie sich vorstellen, in einem künftigen Song auf das Massaker in Oslo und auf der Ferieninsel Bezug zu nehmen?

Nein. Solcher Horror passiert überall auf der Welt. Das konkrete Ereignis geschah in Norwegen, aber sinnloses Töten gibt es leider überall, und so gesehen war diese fürchterliche Tragöde nichts Besonderes, und das ist die eigentliche Tragödie. Nein, mein Fokus liegt nicht auf solchen Wahnsinnstaten. Ich möchte das Gute in mir selbst verbessern und nicht meine Aufmerksamkeit auf diese kranken Hirne verschwenden.

Wenn Sie jetzt zurück nach New York gehen: Was wird das Erste sein, das Sie tun, wenn Sie aus dem Flughafen kommen?

Ich werde einen Kaffee trinken und in das Apartment gehen, das ich mir für eine Woche gemietet habe. Von dort aus suche ich mir dann eine Wohnung, in der ich länger wohnen kann, und zwar in Soho. Ich wollte zwar immer auch mal andere Stadtteile von New York auskundschaften, aber Soho liebe ich einfach - die Ruhe der dortigen kleinen Straßen, das europäische Feeling, die ganze Ästhetik, alte Geschäfte und Restaurants, das Nachbarschaftsgefühl. Man kennt die Leute, und man kann den Wohnungsschlüssel in der Tür stecken lassen. Von allen Orten auf der ganzen Welt fühle ich mich in New York am sichersten. Die Leute achten dich, sie nehmen Anteil. Sie helfen sich, egal ob man reich oder ein Obdachloser ist. Du kannst mit jedem reden, ob du auf den Aufzug wartest oder gerade die Einkaufstüte packst. Ich bin nun mal neugierig auf andere Leute. Ich mag alle, die ich noch nicht kenne.

Was für Musik hören Sie selbst im Moment bevorzugt?

Einen schwedischen Alt-Punker und neuerdings Progrocker namens Freddie Wadling höre ich zurzeit viel. Und Bob Dylan, wo und wann immer es möglich ist. Klassische Musik höre ich auch viel und Instrumentalmusik der fortschrittlicheren Sorten, besonders Eivind Aarset, aber auch Pat Metheny, von dem ich alle Platten besitze und besonders „Missouri Sky“ mit Charlie Haden liebe.

Sie sind nach allgemeiner Einschätzung eine Schönheit. Hat das auch Nachteile?

Wenn man sich darauf einlässt, so etwas wirklich wichtig zu nehmen, ist man schnell am Ende. O. K.., Skandinavierin, groß, blond - das hat mir geholfen, in New York eine Stelle als Kellnerin zu kriegen. Gefeuert wurde ich trotzdem. Dann sagt jemand etwas Böses über dein Äußeres, und wenn dir das wichtig ist, dann denkst du an Selbstmord. Sängerinnen sind ja oft nicht die schärfsten Typen, und man sollte das Publikum nicht unterschätzen. Das kann sehr wohl zwischen einem hübschen Gesicht und guter Musik unterscheiden. Die Leute, denen du etwas mitteilen willst, lassen sich durch dein Äußeres nicht blenden. Aber klar, ich sehe gern gut aus, und ich passe auch schon auf, dass ich auf meinen Pressefotos und CD-Hüllen nicht als hässliches Entlein erscheine.

Wenn Sie jemand treffen könnten, der entweder nicht mehr unter uns weilt oder schwer erreichbar ist, wer fiele Ihnen da ein?

Hm . . . Jesus, ja, Jesus, wer würde ihn nicht treffen wollen? Und Churchill.
Kein Künstler? Keine Sänger aus der Vergangenheit?
Nein, Sänger sind langweilig. Sänger und Musiker brauche ich nicht zu treffen, jedenfalls nicht außerhalb des gemeinsamen Musikmachens.

Das Gespräch mit Rebekka Bakken führte Ulrich Olshausen.

Zur Person

Rebekka Bakken wird 1970 in der norwegischen Hauptstadt Oslo als Tochter einer Akademikerfamilie geboren; der Vater ist Neurologe, die Mutter Lehrerin. Klavier- und Geigenunterricht gehören zum Bildungsanspruch.

Mit dem Singen beginnt Rebekka Bakken schon als Kind - aus Protest gegen die allzu intensive Kontrolle aller Lebensbereiche in ihrem Elternhaus. Später macht sie ihre Berufung zum Beruf.

2002 wird sie von Bert Noglik für die Leipziger Jazztage verpflichtet, wo sie mit dem österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel und einer merkwürdigen Mischung aus Jazz und Songwriting das Publikum begeistert. Fortan zählt sie zu den festen Größen auf den Konzertbühnen in Kontinentaleuropa.

Ihre aktuelle Tournee hat gerade begonnen. Bis Anfang Dezember ist sie in Deutschland und Österreich unterwegs.

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