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Sängerin Rebekka Bakken im Gespräch : Warum ist es in New York so friedlich?

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Hier auf dem Kontinent hat man den Eindruck, dass in Skandinavien nur die Frauen singen. Was ist mit den Männern los?

Schwer zu sagen. Es gibt eine Unmenge männlicher Folksänger in Norwegen; ich habe viele Anregungen von ihnen für meine Lieder erhalten. Sie schreiben ihre Texte allerdings meist auf Norwegisch. Das mag ein Grund sein, warum man sie außerhalb des Landes nicht wahrnimmt. Manchmal denke ich auch, dass es die Schallplattenfirmen sind, die Sängerinnen immer ganz oben auf den Stapel legen. Und es gibt eine generelle Einstellung gegenüber oder bei musikalischen Jugendlichen: Wenn du ein Junge bist, erlernst du ein Instrument, wenn du ein Mädchen bist, singst du.

Haben Sie eine Vorstellung von der Zusammensetzung Ihres Publikums?

Ich glaube, es weist eine große Breite aus - altersmäßig und auch, was die Geschlechterverteilung anbelangt. Das finde ich großartig. Die Mehrheit ist wohl ziemlich erwachsen. Kinder und Teenager sehe ich weniger in den Sälen sitzen.

Hätten Sie denn gern ein Publikum, das mitsingt und die Feuerzeuge anzündet?

Zum Mitsingen sind meine Songs nicht so recht geeignet, aber es gibt beim Publikum eine totale Aufmerksamkeit, die sich solch einer feierlichen Stimmung annähert. Wenn ich die spüre, freue ich mich sehr.

In welchen Ländern sind Sie außerhalb Schwedens und Norwegens am erfolgreichsten?

Ich bin gar nicht erfolgreich in Schweden oder Norwegen. In beiden Ländern habe ich meine Karriere nie besonders forciert und meine Schallplattenfirma auch nicht. Ich habe seit 1994 nicht mehr in Skandinavien gelebt - mit Ausnahme der letzten anderthalb Jahre in Schweden, aber das zählt kaum. Ich gehe stattdessen durch offene Türen in vielen anderen europäischen Ländern.

In einem Gespräch haben Sie kürzlich gesagt, sie seien auch kein Jazzer. Sie haben aber immerhin eine ganz schöne gemeinsame Vergangenheit mit etlichen prominenten Jazzmusikern: mit Wolfgang Muthspiel, Johannes Enders oder Julia Hülsmann.

Ich achte den Jazz sehr. Aber wenn ich in Italien bin, spreche ich italienisch, ohne mich gleich als Italienerin zu fühlen. Ich weiß zu wenig vom Jazz, als dass ich mir diesen Mantel umhängen könnte. Ich kenne keinen einzigen Standard, ich kann nicht improvisieren und keinen Bebop phrasieren. Die Zusammenarbeit mit Wolfgang Muthspiel war ein Glücksfall. Irgendwie konnten wir unsere beiden musikalischen Landschaften aus gemeinsamer Neugier gut zusammenbringen. Das wilde Eifersuchtsdrama „Love Of Another“, das dabei entstand, haben wir bei einem Urlaub hier in Kärnten zusammen verfasst.

Auf Ihrer neuen, in Amerika mit amerikanischen Musikern produzierten CD „September“ finden sich viele Farben und stilistische Einflüsse: Country klingt durch, es gibt textfreie Vokalisen, ernsthafte Singer-Songwriter-Bekenntnisse, aufgedrehte Lebenslust mit Talking-Blues-Elementen und auch drei Fremdkompositionen. Sie selbst schreiben meistens ohne Refrains, ohne Reime, ohne Strophenformen.

Ja, ich nehme mir alle Freiheiten und denke nicht darüber nach. Wenn ich schreibe, dann geschieht das einfach in einem Zug.

Sollte man die komplizierteren Texte mitlesen, und glauben Sie, dass Sie sie im Konzert rüberzubringen verstehen?

Letztlich müssten sie vielleicht gelesen werden. Aber in den Konzerten gebe ich ein paar kleine Einführungen, zumindest über die generelle Richtung der Lieder. Sie handeln von der Intensität des Lebens, und das verstehen die Leute.

Wie sind Sie auf den Song „The Wrestler“ von Bruce Springsteen gekommen?

Es gibt Darren Aronofskys gleichnamigen Film aus dem Jahr 2008 über einen Ringer. Das ist ein Loser, der nichts mehr zustande bringt, der zu alt für seinen Beruf und zur totalen Unperson geworden ist. Der Film und Springsteens darin enthaltenes Lied haben mich sehr berührt.

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