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Die Ästhetik des Schocks beherrscht alles: Nach heftigen Folterungen durch die Schergen des Polizeipräsidenten Scarpia wird Mario Cavaradossi  (Jonathan ­Tetelman) einfach auf seine Geliebte Floria Tosca (Kristine Opolais) geworfen.

Puccinis „Tosca“ in Wien : Antichristbaumschmuck

Auf den Tenor Jonathan Tetelman als Cavaradossi sollte man Acht geben. Auch Marc Albrecht dirigiert Giacomo Puccinis „Tosca“ erfreulich unpathetisch. Aber was der Regisseur Martin Kušej am Theater an der Wien macht, bleibt ein Rätsel.
Warten auf Karten: Szene aus „Warten auf heute“ an der Oper Frankfurt mit Elizabeth Sutphen und Sebastian Geyer Foto Barbara AumüllerWarten auf Karten: Szene aus

Theater in Corona-Not : Premiere nur für Abonnenten

Die Kapazitätsbeschränkungen machen vielen Bühnen zu schaffen, Quarantäne kommt dazu. Nun heißt es: Vorfahrt für die treuesten Besucher in bestimmten Fällen.
Holofernes, ein Mann mit der Stimme einer Frau: Stine Marie Fischer (Mitte) mit dem Frauenchor der Staatsoper Stuttgart

Vivaldi in Stuttgart : Nicht gleich den Kopf verlieren!

Im Oratorium „Juditha triumphans“ sind von Antonio Vivaldi für alle Gesangsrollen Frauen verlangt. An der Staatsoper Stuttgart wird das zum Anlass, um über Feminismus nachzudenken.

Boris Johnsons Krise : Rohes Sitzfleisch

Woher hat Boris Johnsons „Operation Red Meat“ ihren Namen? Ein Blick in die englische Dramengeschichte bringt Licht in die Sache.

Netz-Ratespiel „Wordle“ : Jeden Tag nur ein Wort

Das Spiel entstand als Geschenk eines Programmierers an seine Partnerin. Jetzt spielt es die halbe Welt. Warum sind alle einem simplen Ratespiel verfallen?

Politiker starren aufs Handy : Reden Sie, ich schaue weg

Auch eine Art Schwatzbude: Woher rührt die Unsitte, dass Politiker im Parlament demonstrativ auf ihr Handy schauen, wenn andere reden? Robert Habeck ist da ganz vorn.

Italiens Philosophen : Der Fall Agamben

Schräge Vergleiche, krude Corona-Thesen und ein neuer Thinktank, der den Ausnahmezustand abwenden will: Was ist bloß in Italiens Philosophen gefahren?

Robert Harris für Chamberlain : Streit um Versuch einer Ehrenrettung

Der Bestsellerautor Robert Harris will Neville Chamberlain rehabilitieren. Das trifft in Großbritannien auf heftigen Widerspruch. Die Verfilmung von „München“ facht die Diskussion an.

Deutscher Ethikrat : Bremsung im Nebel

In der Debatte um die Impfpflicht zeichnet sich ein Muster ab: Der Ethikrat spiegelt die schwankende Haltung der Politik wider. Wer braucht ihn dann noch?

Konzert beim DSO Berlin : Wucht ohne Ich-Sucht

Jahrelang diente Maxim Emelyanychev als Cembalist unter der Leitung von Teodor Currentzis. Sein Debüt als Dirigent beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin zeigt, dass er sich klug emanzipiert hat. Mit dem Pianisten Francesco Piemontesi fängt er an zu zaubern.
„Die Walküre“: Ein gelungener Auftakt, der auch ohne Orchester im Gleichgewicht ist.

„Die Walküre“ in Darmstadt : Klingende Seelen

Mit dem hollywoodreifen Einstieg zieht „Die Walküre“ unmittelbar hinein in Wagners Weltengeschichte um den „Ring des Nibelungen“. Daniel Cohen vermittelt das Drama auch ohne Szene.

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  • Montforter Zwischentöne : Überall schlägt das Kartoffelherz

    Wo man Bachs h-Moll-Messe wieder im theologischen Kontext hört und regionales Zusammenkommen mehr schätzt als die Strahlkraft von Stars: Die Montforter Zwischentöne suchen Alternativen zum Kulturbetrieb.
  • Klingt wie gemalt: Lüpertz’ Künstler-Bohème fehlt es nicht an der Farbe, sondern am Geld.

    Operndebüt von Markus Lüpertz : Drama in Pinselstrichen

    Mit „La Bohème“ feiert Markus Lüpertz am Meininger Staatstheater sein Debüt als Opernregisseur. Puccinis Werk wird in Thüringens traditionsreichem Vorzeigehaus zu Malerei mit anderen Mitteln.
  • Berufswechsel einer Sängerin : Tram statt Tremolo

    Die gefragte Altistin Dina König gibt ihre Karriere auf, um in Basel Straßenbahnen zu fahren. Auch ihr Lebensgefährte, ein Weltklasse-Hornist, wird Straßenbahnfahrer. Was ist da los? Ein Tag auf Linie 14.
  • Burgtheater-Legende: Gertraud Jesserer

    Zum Tod von Gertraud Jesserer : Mit Abgründen war zu rechnen

    Sie war komisch, derb, zart, und nie hätte man eine ihrer Frauenfiguren zu unterschätzen gewagt: Jetzt ist die Schauspielerin Gertraud Jesserer auf tragische Weise ums Leben gekommen.
  • Wir sind im Western, Schwestern! Szene aus Antú Romero Nunes Inszenierung von „Der Diener zweier Herren“ „nach Carlo Goldoni“ am Berliner Ensemble

    Goldoni am Berliner Ensemble : Alter Stoff in neuer Welt

    Turin oder Venedig? Hauptsache Amerika! Antú Romero Nunes inszeniert Carlo Goldonis Komödie „Der Diener zweier Herren“ am Berliner Ensemble als Western mit Cowboys, einem einsamen Lakaien und einem rein weiblichen Ensemble.
  • Zwischen den apokalyptischen Reitern von „Mad Max“ und Dennis Hoppers „Easy Rider“:  Fahrradskulpturen beim amerikanischen Bike Kill Festival

    Fahrrad-Ausstellung in Berlin : Ein utopisches Vehikel

    Wie der Drahtesel Politik sein kann: „Easy Rider Road Show – Eine Ausstellung über das Fahrrad als Utopie“ im Märkischen Museum Berlin zeigt die Kunst des politisch bewussten Radelns.
  • Verdis „Macbeth“ an der Scala : Erweiterte Realität der Machtgier

    Davide Livermore inszeniert Giuseppe Verdis „Macbeth“ mit Anna Netrebko an der Mailänder Scala als Überwältigungsspektakel. Eine Gesangskunst mit „hässlichen“ Effekten, wie sie der Komponist anstrebte, ist dabei nicht vorgesehen.
  • Kabarett mit Luise Kinseher : Wir drehen die Quote einfach um

    Das Bayerische Fernsehen will weiblicher werden und holt sich die bewährte Luise Kinseher als Zugpferd. In Bayern ist die Kabarettistin eine Weltmacht. Ein Interview.
  • Zum Tod von Andrej Hoteev : Russischer Quellgeist

    Er deckte schlimmste Verfälschungen im Notentext von Tschaikowskys Klavierkonzerten auf und erweckte in Anja Silja die Liebe zum russischen Lied: Jetzt ist der Pianist Andrej Hoteev mit 74 Jahren gestorben.
  • Mondscheingranate: Clara (Maya Alban-Zapata, links) und Beethoven (Christian Kerepeszki)  hören dem Trickster Orchestra zu.

    Moritz Rinkes „Beethoven“ : Der Weltgeist kommt auf dem Meteoriten

    In Berlin wird Rinkes neue Komödie gespielt. Sie lässt Beethoven in eine Welt stürzen, die die unsrige sein soll. Doch der Text strotzt vor Ressentiments und ist an Tatsachen nicht interessiert.
  • Dirigent John Nelson : Der Heitere, stets ohne Stock

    Als Sohn amerikanischer Missionare in Costa Rica geboren, fand John Nelson mit knapp dreißig Jahren seine eigene Mission: die Musik von Hector Berlioz. Inzwischen gilt er als einer von deren besten Interpreten. Heute wird der Dirigent achtzig Jahre alt.