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Wagners schönste Stellen (10) : „Die Walküre“, 3. Aufzug, 3. Szene, Takte 683ff.

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Bild: Kat Menschik

Neues kündigt sich an, Hoffnung keimt. Sollte doch noch „alles gut“ werden? Sollte Wotans gewagte Immobilienspekulation um den Preis des Antagonismus von Liebe und Macht am Ende doch aufgehen? Hier, in der Musik, wird alles gesagt.

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          Es ist fast wie im wirklichen Leben: eine aufsässige Tochter, die alles besser weiß, ein von seiner Frau (die auch alles besser weiß, nur was anderes) zusammengefalteter Macho, eine vom Zwillingsbruder Schwangere und ein Aufräumkommando, das gefallene Krieger entsorgt. Die Musik aber birgt das Unglaubliche. Das beginnt mit dem „Walkürenritt“, ein Begriff übrigens, der, wie der „Feuerzauber“, in Wagners Partitur nicht vorkommt. Es handelt sich um eine gestisch sprechende Musik, sie spricht so deutlich wie kaum eine andere bei Wagner. Und wie so oft geht es hier wieder um das eine, das Ende. Nur sorgt dafür zunächst nicht Alberich, wie Gottvater Wotan es im zweiten Aufzug angekündigt hatte, vielmehr ein Plan, der personelle Gestalt anzunehmen scheint. Etwas Neues kündigt sich an, Hoffnung keimt. Sollte doch noch „alles gut“ werden? Sollte Wotans gewagte Immobilienspekulation um den Preis des Antagonismus von Liebe und Macht am Ende doch aufgehen?

          Hier, in der Musik, wird alles gesagt. Einzig, wer sich nicht um die Musik kümmert, allein diejenigen, die nur Textbuch und Szene lesen und vielleicht nicht einmal das: Nur solche Regisseure können auf Interpretationen verfallen wie die in Düsseldorf neulich, als in der Venusberg-Szene des „Tannhäuser“ Statisten per Genickschuss hingerichtet wurden. In der „Walküre“ ist es die Musik, die im dritten Aufzug klarmacht, um wen es geht, wenn hoffnungsvoll immer wieder vom „hehrsten Helden der Welt“ die Rede ist, der „freier“ sei als „der Gott“. Drei Mal wird er erwähnt. Nicht einmal wird er beim Namen genannt.

          Der Ungenannte erhält einen Namen

          Schließlich, als Wotan seine Lieblingstochter Brünnhilde in Schlaf versetzt, sie aber nicht schutzlos liegen lassen möchte, vielmehr mit einem Feuerwall umgibt, lauten seine Schlussworte: „Wer meines Speeres Spitze fürchtet, durchschreite das Feuer nie!“ Ungewöhnlich dabei ist, dass Wotans Gesangsstimme parallel zu diesem „Leitmotiv“ (fünftes bis achtes Horn plus Basstrompete) geführt wird. Und dann gibt die Musik diesem ungenannten Furchtlosen, der da beschworen wird, einen Namen: drei Trompeten, vier Posaunen, Kontrabasstuba, unterstützt von Violen, Violoncelli und Kontrabässen, intonieren in voller Breite das Thema, das wir dann erst in der nächstfolgenden Oper des „Ring“ als Leitmotiv Siegfrieds identifizieren können.

          Die Musik weist also weit voraus, genau gesagt: zwanzig Jahre. So lange muss Brünnhilde im Feuerring schlafen. Erst dann, wenn das noch ungeborene Kind, ihr Neffe, Wotans Enkel, Spross des Zwillingspaares, erwachsen sein wird, dann wird es furchtlos kommen, um sie zu befreien. Noch an keiner Stelle war der Name „Siegfried“ in den ersten „Ring“- Teilen, im „Rheingold“ oder in der „Walküre“, aufgetaucht. Doch die Musik weiß mehr, sie weiß alles. Sie gibt dem Namenlosen Identität, so wie auch ihr Urheber allein durch die Musik sich selbst eine Identität zu geben imstande war.

          Schwan - Lenz - Abendstern

          Richard Wagner selbst wusste genau, wofür ihn die Nachwelt lieben würde: „Ja, ja, das ist diese Stelle . . . „, sagte er, „die Theater haben dann drei Stücke: ,Du bist der Lenz’; ,Du lieber Schwan’; und ,O, du mein holder Abendstern!’“ Aber gibt es nicht noch viel mehr schöne Stellen? Wir haben uns mal umgehört.

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