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Wagners schönste Stellen (1) : Die Walküre, 2. Aufzug, Takte 1 bis 70

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Bild: Kat Menschik

Diese umwerfende Musik, die sich da aus dem Graben aufbäumt - und als Kontrast auf der Bühne der absolute Stillstand: Wotan (Theo Adam) und Brünnhilde (Birgit Nilsson) in Wieland Wagners „Walküre“-Inszenierung von 1965, unvergesslich.

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          Wenn sich der Vorhang hebt für den zweiten Aufzug der „Walküre“, dann denke ich, bis heute, immer daran, wie Wieland Wagner das mit Birgit Nilsson und Theo Adam inszeniert hat. Die beiden standen einfach nur da, bewegungslos. Genau das war es. All diese Aufregung, dieses Gewühle im Orchester, diese umwerfende Musik, die sich da aus dem Graben aufbäumt - und als Kontrast auf der Bühne der absolute Stillstand.

          Das war 1965, es ist lange her. Doch für mich, in meiner Erinnerung, ist dieses Treffen von Wotan und Brünnhilde einer der stärksten Momente im „Ring“ überhaupt, und seit diesem Tag ist das für mich fest verknüpft mit Nilsson und Adam. Nicht dass ich alles, was danach kam, damit vergleiche! Aber ich habe jedes Mal, wenn die Musik losgeht, exakt dieses Bild vor Augen. Natürlich mache ich die dann nicht zu, wenn etwas völlig anderes zu sehen ist, das wäre ja schlimm! Wir säßen am Ende dann alle nur noch mit geschlossenen Augen im Theater herum, nur um unsere Ideale zu bewahren!

          Und man verpasst womöglich zukunftsweisende, kühne Inszenierungen und herausragende Interpretationen. Ich hätte dann gar nichts mitbekommen von dieser Chéreau-Szene, später, die genauso beeindruckend war wie die von Wieland Wagner, nämlich mit Donald McIntyre und Gwyneth Jones.

          Eine andere Lieblingsmusik, die ich immer im Herzen bewahren werde, ohne dass ich mit Worten sagen könnte, warum, ist das Nachspiel nach dem Duett Ortrud / Elsa im zweiten Akt „Lohengrin“. Diese schwebenden Violinen und so weiter nach dem Satz „Es gibt ein Glück, das ohne Reu’!“ Man kann so etwas vorsingen, aber in Worten aufschreiben kann man es nicht. Es gibt Dinge, die lassen sich nicht begründen.

          Auch dieses Nachspiel ist für mich an ganz bestimmte Aufführungen geknüpft, die sich mir fest eingebrannt haben, zum Beispiel mit Eleanor Steber und Astrid Varnay oder, in der Gegenwart: Annette Dasch und Petra Lang. Ich sitze hier in Bayreuth in jeder Vorstellung im „Turm“, seitlich hinter der Bühne, vor dem Bildschirm, wo ich den Dirigenten und natürlich auch die ganze Bühne sehen kann.

          Und wenn man mich dann im „Lohengrin“ zwischendurch herunterholt vom „Turm“ wegen irgendetwas, dann habe ich keine Ruhe, ich weiß, ich muss unbedingt bei dieser Stelle am Ende des Duetts wieder zurück sein, ich muss hören, wie fabelhaft der Andris Nelsons dieses Nachspiel macht, immer wieder. Von mir aus könnte er damit in Endlosschleife gehen. Übrigens kommt das nicht nur bei Wagner vor. Ich wünsche mir so eine Endlosschleife auch, zum Beispiel, am Anfang von Verdis Requiem, in der Aufnahme mit Karajan und Pavarotti.

          Schwan - Lenz - Abendstern

          Richard Wagner selbst wusste genau, wofür ihn die Nachwelt lieben würde: „Ja, ja, das ist diese Stelle . . . „, sagte er, „die Theater haben dann drei Stücke: ,Du bist der Lenz’; ,Du lieber Schwan’; und ,O, du mein holder Abendstern!’“ Aber gibt es nicht noch viel mehr schöne Stellen? Wir haben uns mal umgehört.

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