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Vom Klang der Ringe : Die ultimative Aufnahme!

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Arnold Böcklins „Toteninsel“ war das Vorbild für Brünnhildes Feuerfelsen: Schlussbild der „Walküre“ aus dem „Jahrhundert-Ring“ von 1976, inszeniert von Patrice Chéreau, dirigiert von Pierre Boulez Bild: Bayreuther Festspiele

Bayreuth startet mit dem „Ring“. Fast fünfzig Aufnahmen von Richard Wagners Werk sind greifbar. Welche Einspielung ist die beste? Wir setzen unseren Experten darauf an.

          8 Min.

          Cosima Wagner berichtet am 28. August 1876 über die Proben für die ersten Bayreuther Festspiele: „Die Kostüme erinnern durchweg an Indianer-Häuptlinge und haben neben dem ethnographischen Unsinn noch den Stempel der kleinen Theater-Geschmacklosigkeit.“ Am 9. September: „Kostüme, Dekorationen, alles muss für die Wiederholung wieder vorgenommen werden. R. ist sehr traurig, sagt, er möchte sterben.“

          Schon während der Vorbereitung zu den Festspielen, ein Jahr zuvor, hatte Wagner geklagt: „Was hilft’s mir denn, wenn ich noch so schöne Noten schreibe und nicht den Sänger finde, der sie singen kann.“ Während der Arbeit am „Parsifal“, sagte der Theater-Enttäuschte: „Ach, es graut mir vor allem Kostüm- und Schminke-Wesen; wenn ich daran denke, dass diese Gestalten wie Kundry nun sollen gemummt werden, fallen mir gleich die ekelhaften Künstlerfeste ein, und nachdem ich das unsichtbare Orchester geschaffen, möchte ich auch das unsichtbare Theater erfinden.“ Das unsichtbare Theater! Dessen Möglichkeit hatte Wagner bereits 1870 in seinem „Beethoven“-Aufsatz angedeutet: Die Musik spreche „das innerste Wesen der Gebärde mit solch unmittelbarer Verständlichkeit aus, dass sie, sobald wir ganz von der Musik erfüllt sind, sogar unser Gesicht für die intensive Wahrnehmung der Gebärde depotenziert, so dass wir sie endlich verstehen, ohne sie selbst zu sehen.“

          Ein „Gottesgeschenk“ von Kirsten Flagstad

          Der Einbildungskraft des Hörers, von Wagner als „das Auge des Ohrs“ bezeichnet, teilt sich die innere Handlung deutlicher mit als in einem szenischen Geschehen. Theodor W. Adorno sah die Chance, durch die Schallplatte als „deus ex machina“ die Oper von den „Zufällen falscher Opernfeste“ zu befreien. Und Friedrich Dieckmann stellte schließlich die Frage, ob denn der „Ring des Nibelungen“ überhaupt für die Bühne gedacht sei. Im imaginären Museum der Schallplatte finden sich heute sechs Studio-Produktionen des „Rings“ und vierzig (wenn nicht mehr) Mitschnitte aus der Zeit zwischen 1948 und 2011. Der letzte unter Christian Thielemann, entstanden in Wien, erinnert einmal wieder daran, wie oft der Komponist fürchtete, die „wunderbar genialen Darsteller“ nicht finden zu können, die der Aufgabe gewachsen wären. Was er mit Blick auf den „Tristan“ an Mathilde Wesendonck schrieb, gilt ja auch für den „Ring“: „Ich habe da alles überschritten, was im Bereich der Möglichkeiten unserer Leistungen liegt.“ Aber da ist auch ein anderer Satz: „Und doch kann ich der Versuchung nicht widerstehen: wenn ich nur das Orchester höre.“

          Orchestral können die Mitschnitte von Aufführungen seit 1928, da in Bayreuth eine Aufnahme des „Tristan“ (gekürzt) entstand, nicht mehr bereiten als „die Wonnen der Ahnung“; und auch die Aufführungen unter Wilhelm Furtwängler - ein Mitschnitt aus der Scala (1950) und einer Übertragung der RAI (1953) - verdanken ihre Veröffentlichungen nicht zuletzt der Aura des legendären Dirigenten. Für die Melomanen ist die Brünnhilde von Kirsten Flagstad, einzigartig in der Verbindung von Klangreichtum und Tonschönheit, ein Gottesgeschenk.

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