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Karen Krüger (kkr)

Krach an der Mailänder Scala : Divenoffensive

  • -Aktualisiert am

Riccardo Muti dirigiert die Wiener Philharmoniker am 11. Mai 2021 in der Mailänder Scala. Bild: EPA

Riccardo Muti hatte 2005 die Mailänder Scala im Streit verlassen. Jetzt kehrte er zurück, um hinter der Bühne deutlich zu machen: Es gibt keine Versöhnung!

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          Einige glaubten tatsächlich noch an eine Versöhnung zwischen Riccardo Muti und der Scala. Neunzehn Jahre lang war der Stardirigent der Musikdirektor des Opernhauses, bis sich 2005 die Belegschaft weigerte, weiter mit ihm zusammenzuarbeiten. Es kam zu einer medialen Schlammschlacht, und Muti verließ seinen Posten voller Zorn. Seitdem gab es immer wieder Gerüchte, er kehre vielleicht zurück. So wurde auch seine Zusage gedeutet, eines der beiden Konzerte zu dirigieren, mit denen die Scala nach zweihundert Tagen pandemiebedingter Schließung ihre Wiedereröffnung feierte. Ausgerechnet den Termin am 11. Mai bot man Muti und den Wiener Philharmonikern an. Das Datum bedeutet den Mailändern viel; schon Grundschüler wissen etwas mit ihm anzufangen. Der 11. Mai gehöre zum Karma der Scala wie die 5 zu Coco Chanel, schrieb unlängst eine italienische Zeitung. Denn an diesem schicksalhaften Datum dirigierte Arturo Toscanini vor 75 Jahren das Wiedereröffnungskonzert des Opernhauses nach dessen kriegsbedingter Zerstörung.

          Der Tag kam, fünfhundert Zuschauer nahmen Platz, die Wiener spielten Mendelssohns „Meeresstille und glückliche Fahrt“ und andere Stücke von beruhigender Kraft. Sie machten ihre Sache hervorragend, und Muti ließ erkennen, dass er sich für Toscaninis würdigen Erben hielt. Dass er ansonsten auf Mailand pfeift und sechzehn Jahre nach dem Eklat noch immer unversöhnlich ist, zeigte er, wie jetzt bekanntwurde, ebenso. Der derzeitige musikalische Direktor Riccardo Chailly hatte dem Gast in einer Geste der Wertschätzung seine Garderobe überlassen und suchte sie nach dem Konzert auf, um dem Vorgänger zu gratulieren. Als er dort ankam, soll Muti behauptet haben, ihn nicht zu kennen. Es heißt, er habe Chailly gefragt, wer er sei und was er in der Garderobe wolle. Manche glaubten an einen Scherz, Chailly an ein Missverständnis und nahm deshalb seine Atemschutzmaske ab. An der Reaktion Mutis änderte das offenbar nichts. Im Gegenteil. Journalisten sowie Gäste, die mittlerweile Schlange standen, um dem Maestro zu gratulieren, berichten von lauten Beleidigungen. Chailly zog sich daraufhin und ohne Erwiderung zurück. Muti soll danach aufgetreten sein, als sei er selbst der Musikdirektor der Scala.

          Jene, die zuvor geunkt hatten, die Einladung des streitbaren Dirigenten sei ein sentimentaler Fehler, und sich noch gut erinnern, wie er seinerzeit mit Untergebenen umsprang, sehen sich nach den Backstage-Enthüllungen bestätigt. Es glaubt auch keiner mehr an einen unglücklichen Zufall, dass Mutis nächster Auftritt in Mailand voraussichtlich auf den 7. Dezember fallen wird. An diesem Datum eröffnet die Scala traditionell ihre Saison. Während Chailly im Piermarini „Macbeth“ dirigieren wird, erwartet man Muti am anderen Ende der Stadt mit seiner Italian Opera Academy in der Fondazione Prada für Verdis „Nabucco“. Vorhang auf für den nächsten Akt des Dramas.

          Karen Krüger
          Redakteurin im Feuilleton.

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