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„Rheingold“ in Genf : Wagners Seele singt wieder

  • -Aktualisiert am

Raus aus der Trick-Kiste: Fasolt (Alfred Reiter) und Fafner (Steven Humes) rauben Freia (Agneta Eichenholz). Bild: Carole Parodi

Ein Märchen für Erwachsene: Genf gibt gnädig glitzernde Gaben ganz großer Güte. Wer ein lustiges, famos inszeniertes „Rheingold“ sehen will, sollte ans Grand Théâtre de Genève fahren.

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          Zur Zeit hat jedes zweite deutsche Stadttheater einen eignen „Ring des Nibelungen“ im Fundus. Richard Wagner, als er sich den Schutzraum Bayreuth suchte für seine Werke, wäre so eine „Ring“-Schwemme nicht im Traume eingefallen. In der Praxis führt sie heutzutage aber eher dazu, dass es, zumindest für den passionierten „Ring“-Sammler, gar nicht mehr wichtig ist, zu wissen, wie es wird in Bayreuth. Wer außer „Bunte“, „Gala“ und Frau Merkel ist denn noch ehrlich gespannt auf die Castorf-“Ring“-Ideen?

          Neugierig sind allenfalls die Münchner darauf, wie ihr künftiger Generalmusikdirektor Kirill Petrenko im Sommer die Orchestergrabenfeuerprobe im Festspielhaus überlebt. Und einstweilen fahren auch Münchens Wagner-Freunde erst mal an den Genfer See, denn dort gibt es am Grand Théâtre de Genève zurzeit ein ganz famos koloriertes, lustiges „Rheingold“ zu sehen. Ja, auch das Stadttheater in Genf schmiedet jetzt nämlich einen eignen „Ring“, und dort sind, nachdem Christof Loy abgesagt hatte, nun lauter Münchner Legenden mit am Werke, „Ring“-Debütanten, Theaterveteranen: Dieter Dorn inszenierte. Jürgen Rose hat die Ausstattung besorgt. Hans-Joachim Ruckhäberle zeichnet verantwortlich für die Dramaturgie. Und Ingo Metzmacher dirigiert.

          Perfekt im Fokus

          “Grand“ ist dieses Haus natürlich nur relativ, im Verhältnis zu anderen, kleineren. Immerhin, es gibt 1400 Plätze. Der Graben liegt extrem tief. Vom Wandern der Steine am Grunde des Rheines hört man deshalb im Parkett zunächst wenig bis nichts. Pianissimo unmöglich, Crescendo nicht machbar, Dynamik fällt aus. So steht plötzlich und unerwartet das Es-Dur-Murmeln mitten im Raum, auch das klingt nass und matschig, mindestens mezzoforte, ja, selbst die Glanzbläser wirken stumpf. Nicht eben ideal in Form, das Orchestre de la Suisse Romande an diesem Abend. Und auch die Besetzung, mit der Metzmacher bei seinem ersten „Ring des Nibelungen“ arbeiten muss, dürfte besser sein. Manche, auch der starke Alberich, kämpfen mit der Intonation. Alle, bis auf Freia, mit der von Wagner so dringend geforderten klaren Artikulation.

          Und etliche Sängerinnen und Sänger sind kurzfristig eingesprungen, sie agieren entsprechend unflexibel. Tom Fox zum Beispiel stolziert steifbeinig statuarisch an der Rampe herum, äugt auf die Monitore, man sieht und hört diesem Wotan an, wie er im Geiste noch Noten umblättert. Doch seine Stimme sitzt perfekt im Fokus, sie ist göttermäßig groß und fest, außerdem darf so ein germanischer Zeus, das gehört zu seinen Pflichten, auch mal ganz einfach nur machtvoll in der Gegend herumstehen.

          Der letzte Funke Leben

          Seine Gattin Fricka wird von Elena Zhidkova mit glockigem Timbre und kokettem Charme ausgestattet. Leichte Hausfrauenhysterie umflort die wendige Gestalt, eine Hera ist das mit Haaren auf den Zähnen. Schon jetzt ahnt man, wie entsetzlich sie dem Ehemann in der „Walküre“ auf die Nerven gehen wird. Und auch die übrigen Götter, selbst wenn sie später nicht mehr Verwendung finden im „Ring“ sind aufs sorgfältigste gefeilte Charakterstudien, von der Regie klug am Gängelband geführt. Der blasse, fahrige Feingeist Froh (Christoph Strehl) mit seinem verrutschten Dichterlorbeer auf dem Haupt, nicht mal mehr den Bau von Regenbogenbrücken traut man ihm zu. Sein Bruder Donner (Thomas Oliemans), ein knuffiger Trottel, ein Trampeltier mit Daniel-Düsentrieb-artigen Sinnierschrauben seitlich an seinem Käppi, die er sicherlich zu allem Möglichen benützt, nur nicht zum Nachdenken. Und Freia, die Holde, diese rosenfingrige Aphrodite mit den Äpfeln der Unsterblichkeit: Agneta Eichenholz singt diese kleine Partie ganz entzückend kindlich, klar und süß, konsonantensauber, gut verständlich.

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