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„Regina“ in Kaiserslautern : Die Frau schießt

  • -Aktualisiert am

„Gleich bricht der Freiheit großer Morgen an“: Adelheid Fink als Regina Bild: Hans-Jürgen Brehm-Seufert

Sie ist wieder da: Die selten gespielte Revolutionsoper „Regina“ von Albert Lortzing. Die Inszenierung ist so schlicht, episch und werktreu, wie das bei einem unbekannten Stück wohl angebracht ist.

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          Leonore, Retterin des Gatten, ist bewaffnet mit einem Revolver und mit einem hohen B. Letzteres sollte stets lupenrein zur Anwendung kommen. Ersterer wird nie benützt. Es reicht ja schon die Drohung aus, die Geste, mit der die Frau sich dem Tyrannen in den Weg wirft und ihn anschreit mit jener gellenden, von männlichen Echos verfolgten Phrase: „Tödt’ erst sein Weib!“

          Seit der Französischen Revolution traute man den Frauen einiges zu. Wenn aber Opernfrauen auf der Bühne mordeten, sei es mit Gift oder Dolch oder im Wahn, so geschah dies immer noch unsichtbar, in der Kulisse.

          1805 eine Sensation

          So war im Jahr 1805, als Beethovens Oper „Fidelio“ in Wien herauskam, den Umstand, dass eine Frau mit einer modernen Schusswaffe herumfuchtelt, Sensation: Die Zeitungen brachten eine Karikatur der Sopranistin Schröder-Devrient, in Männerkleidung, im Ausfallschritt, die Waffe im Anschlag. Dreiundvierzig Jahre später, in Albert Lortzings Freiheitsoper „Regina“, ist es dann so weit: Die Frau schießt.

          Im Finale der Lortzing-Oper legt das Fabrikantentöchterchen an auf seinen Entführer und potentiellen Vergewaltiger, wie der gerade im Begriff ist, die Fackel in den Pulverturm zu werfen, wo die Munition der Achtundvierziger-Revolutionäre lagert. Regina rettet damit nicht nur sich selbst. Sie bewahrt mit dem Schuss vor allem den Chor (mithin „die Menschheit“) davor, in die Luft zu fliegen.

          Einer Anziehpuppe ähnlicher als einem Flintenweib

          Anschließend fällt sie in Ohnmacht. Sofort hisst das Orchester die deutsche Fahne: Wiederholt spielt es das im Quartsprung aufsteigende Leitmotiv in heroischem C-Dur, schwarz-rot-gold, womit bereits die Ouvertüre der Oper eröffnet worden war und das immer wieder, in den tiefen Bläsern oder im Moll-Kostüm, durchs Stück mäandert war. Nur ist es, anders als Ernst Bloch über „Fidelio“ schrieb, hier nicht mehr nur die Musik, die utopisch „ladet und zielt“.

          In der Neuinszenierung der „Regina“ zur Saisoneröffnung im Pfalztheater Kaiserslautern sieht die Protagonistin freilich einer Anziehpuppe ähnlicher als einem Flintenweib. Da hat Regisseur Hansgünther Heyme, der selbst die Ausstattung besorgte, etwas zu lange nachgedacht, er zitiert gleich drei Klischees: Oben ist seine Regina noch braves Gretchen mit viel zu hoch über den Ohren angepinnten Blondzöpfen; in der Mitte ist sie Praline, lecker verpackt in Tortenpapier; unten aber schon Suffragette mit Schnürstiefeln.

          Da gibt es nichts zu lachen

          Kleidsam ist das nicht. Als sie das erste Mal hereinstolpert, lachen die Leute. Aber da gibt es nichts zu lachen. Diese geniale späte Lortzing-Oper, die endlich den Komponisten aus seiner munteren deutschen Singspielnische, in der er heutzutage zunehmend verstaubt, herausführen könnte, ist eine ernste Sache. Eine frühe Zeitoper: Kapellmeister Lortzing spiegelt und kommentiert darin das aktuelle politische Geschehen rund um sein Theater in Wien anno 1848.

          Zugleich ist das Stück Wagners Vorbild: Obgleich „Regina“ immer noch deutlich Singspielzüge trägt, ist die Tendenz zum Durchkomponierten zumal in den breit angelegten Aktschlüssen unüberhörbar, farbige Instrumentation wie auch raffinierte Leitmotivtechnik weisen weit voraus. In den verhäkelten Ensembles kopiert Lortzing die Massenszenen Meyerbeers, in den schwungvollen Finalsteigerungen wird Offenbach antizipiert – in dem Melodienreichtum aber, den unzähligen Ohrwürmern ist Lortzing ganz er selbst.

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