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Kronberg Academy und Corona : Musik ist längst verfügbar, man muss sie nur zulassen

Mit Mundschutz: die Bronzeskulptur zum Andenken an Pablo Casals (im Viktoriapark in Sichtweite des Casals Forums) von Walter Schembs. Bild: Kronberg Academy

Festivals, Meisterkurse und der Grand Prix Emanuel Feuermann müssen abgesagt werden. Dennoch will die Kronberg Academy ihre Arbeit mit hochbegabten Streichern fortsetzen. Dabei sollen auch digitale Medien genutzt werden - ohne die Musik zu banalisieren.

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          Inmitten der allgemeinen Corona-Lähmung kommen aus Kronberg im Taunus gute Nachrichten: Die Bauarbeiten am Casals Forum der Kronberg Academy gehen unverdrossen weiter. Der Rohbau für den ersten klimaneutralen Konzertsaal der Welt und das angrenzende Studienzentrum ist abgeschlossen. Noch ehe der Sommer vorbei sein wird, soll das spektakuläre Dach, das die organischen Formen des angrenzenden Viktoriaparks in der Architektur fortführt, den Bau krönen. Das Exzellenzzentrum für Kammermusik, das von hier aus in die Welt ausstrahlen wird, könnte noch zu einem besonderen Schmuckstück für die Stadt werden, deren Namen die Akademie international bekannt gemacht hat.

          Jan Brachmann
          Redakteur im Feuilleton.

          Doch Raimund Trenkler, den Gründer und Leiter der Kronberg Academy, einer privaten Hochschule für höchstbegabte Studenten von Streichinstrumenten, drückt der Kummer. Derzeit hätte das Festival „Chamber Music connects the world“ mit solch exzellenten Künstlern wie Gidon Kremer, Christian Tetzlaff, Steven Isserlis, Jörg Widmann und knapp dreißig Nachwuchsmusikern stattfinden sollen. Es musste abgesagt werden, genauso wie die Cellomeisterkurse im September, für die etwa zweihundert Teilnehmer erwartet wurden.

          Schweren Herzens hat sich die Kronberg Academy gemeinsam mit der Universität der Künste in Berlin dazu durchgerungen, auch den Grand Prix Emanuel Feuermann Mitte November abzusagen. Er ist einer der angesehensten Cellowettbewerbe, findet nur alle sechs Jahre statt und gehört mit einem Preisgeld von 25 000 Euro auch zu den höchstdotierten. Aber da es zu den Statuten des Wettbewerbs gehört, dass die Teilnehmer schon vorab Aufnahmen einsenden müssen, viele Bewerber aber jetzt nicht mit ihren Pianisten arbeiten können, wäre die Chancengleichheit der Teilnehmer nicht gewährleistet, erläutert Trenkler im Gespräch mit dieser Zeitung. Nur am Konzert mit dem Chamber Orchestra of Europe, dem neuen Residenzorchester des Casals Forums, wolle man festhalten. Es soll, in welcher Form auch immer, am 3. Oktober in der Alten Oper Frankfurt stattfinden.

          Die Absage der Eigenveranstaltungen trifft die Kronberg Academy hart. Sie finanziert ihren Betrieb ausschließlich aus privaten Mitteln. Dazu gehören auch Eigeneinnahmen. Unter den gegenwärtigen Veranstaltungsrichtlinien aber wäre der Aufwand für Konzerte und Kurse größer als der wirtschaftliche Ertrag. Trenkler ist froh, dass die Crespo Stiftung in dieser Situation ihre Unterstützung für das Kammermusikfestival im Mai nicht zurückgezogen hat, obwohl nichts stattfindet. Er weiß auch, dass viele Förderer jetzt vorsichtig werden oder sich aus naheliegenden Gründen zurückziehen müssen. „Umso dankbarer ist man denen, die einem auch in dieser schwierigen Situation treu zur Seite stehen“, sagt er.

          Für jene Studenten, die nicht in ihre Heimatländer zurückgekehrt sind, beginnt Ende Mai wieder, in Abstimmung mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt, der Präsenzunterricht. Digitale Alternativen wie Videotelefonate habe man schnell verworfen. „Es sind damit ja nicht nur akustische Einschränkungen verbunden“, erläutert Trenkler. „Es geht auch um Korrekturen, etwa am Bogenarm, die sich verbal nicht transportieren lassen. Man muss im Unterricht oft mehr zeigen, als man sagen kann, um ein bestimmtes Körpergefühl zu übermitteln.“

          Die Leitidee in Kronberg sei es, Musik und Musiker in größter Nähe zu erleben. Diesen Austausch zwischen Bühne und Publikum könne man nur schwer ersetzen. „Ich finde spannend, was sich jetzt bewegt, und auch, dass digitale Medien der klassischen Musik dienen. Aber oft habe ich das Gefühl, dass wir durch die vielen digitalen Angebote eine Banalisierung der Musik erleben. Wir feiern jetzt den 250. Geburtstag Beethovens, aber es geht doch weniger darum, Beethoven verfügbar zu machen, als darum, Beethoven zuzulassen. Die Frage ist: Wie schaffen wir ein Umfeld, in dem wir aktiv Musik hören können? Das beginnt für mich mit Stille, sich einstellen, sich innerlich vorbereiten. Da ist die würdevolle Situation eines Live-Konzertes nicht zu ersetzen: dieses Zusammenkommen, die Vorfreude, die Konzentration sind einmalig.“

          Natürlich sind Konzentration und Ruhe auch bei digitalen Angeboten möglich. Das weiß auch Trenkler. Nicht zuletzt deshalb konnte man auf der Website der Kronberg Academy dieser Tage Aufzeichnungen früherer Konzerte für eine begrenzte Zeit am Tag hören – mit einer digitalen Eintrittskarte. Und so ist die Kronberg Academy überzeugt, digitale Strategien positiv für sich und die Sache der Musik nutzen zu können: „Wir beginnen ab Juni mit einer wöchentlichen Einzelinterview-Serie unserer Studierenden, sie schildern ihren Werdegang, was sie zur Musik zog, ihr Ambitionen und Träume. So bekommt der Zuschauer einen sehr persönlichen Einblick in die Welt dieser Talente aus ganz unterschiedlichen Nationen.“ Das sei jetzt das Wichtigste: Akzeptanz der Lage, ohne Resignation, mit Zuversicht.

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