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Von London nach München : Rattle wird Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters

  • Aktualisiert am

Simon Rattle im Juni 2018 bei einem Konzert des London Symphony Orchestras in der Turbinenhalle der Tate Modern Bild: dpa

Seit dem überraschenden Tod von Mariss Jansons im Dezember 2019 fehlt dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ein Chefdirigent. Jetzt wird bekannt, dass Simon Rattle für diesen Posten nach Deutschland zurückkehren will.

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          Es ist eine Spitzenpersonalie in der Welt der klassischen Musik: Sir Simon Rattle wird Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (BRSO). Momentan ist der 65-Jährige noch Musikdirektor des London Symphony Orchestra. Sein Amt in München als Leiter des renommierten Orchesters samt Chor werde er zur Spielzeit 2023/2024 antreten, teilte der Bayerische Rundfunk (BR) an diesem Montag in München mit. Der Vertrag läuft zunächst über fünf Jahre.

          „Mit seiner Leidenschaft, mit seiner künstlerischen Vielseitigkeit und mit seinem einnehmenden Charisma wird er ein überaus würdiger Nachfolger von Mariss Janons sein“, sagte BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Wie kein anderer stehe er für neue Wege, Menschen für Musik zu begeistern. Dies sei ein wichtiges Signal gerade in einer Zeit, in der die Kunst mit Einschränkungen durch die Pandemie zu kämpfen habe.

          Der Brite hat viel Erfahrung mit deutschen Top-Orchestern, nicht nur, weil er beim BRSO schon des Öfteren am Dirigentenpult stand. Von 2002 bis 2018 war er bereits Chefdirigent und künstlerischer Leiter der Berliner Philharmoniker. 2017 übernahm er dann den Posten in London.

          Das Konzerthaus wird immer noch geplant

          Nun wird er also Nachfolger von Mariss Jansons, der seit 2003 an der Spitze des Ensembles gestanden hatte und am 1. Dezember 2019 überraschend im Alter von 76 Jahren gestorben war. Eine Ehre, wie es Rattle an diesem Montag nannte. „Ich bin begeistert“, erklärte er.

          Die Entscheidung für Rattle kommt nicht überraschend. Dem Vernehmen nach soll er der Wunschkandidat von Jansons gewesen sein. Als nach dessen Tod die Nachfragedebatte aufkam, wurde Rattle schon recht bald als Anwärter gehandelt, ebenso wie der 45 Jahre alte Kanadier Yannick Nézet-Séguin, derzeit unter anderem Musikchef der New Yorker Metropolitan Opera. Ins Spiel gebracht wurde in Medienberichten zudem der Österreicher Franz Welser-Möst (60), seit 2002 Musikdirektor des Cleveland Orchestra.

          Dass es nun nach gut einem Jahr einen namhaften Nachfolger für Jansons gibt, war vor allem ein Anliegen von BR-Intendant Ulrich Wilhelm. Noch vor dem Ende seiner Amtszeit zum 31. Januar wollte er eine Entscheidung, allerdings nicht über das Orchester hinweg. Es gebe eine sehr enge Abstimmung mit den Mitgliedern des Symphonieorchesters, hatte Wilhelm immer betont. Allerdings hatte die Corona-Pandemie die Entscheidung verzögert. Reisebeschränkungen und der Ausfall von Konzerten erschwerten die Suche und die Gespräche mit Kandidaten.

          Ein wichtiger Aspekt dürfte für einen künftigen Chefdirigenten auch das geplante neue Münchner Konzerthaus als Heimat des Orchesters sein. Jansons hatte sich stets dafür stark gemacht. Doch aus dem geplanten Baubeginn im Frühjahr 2018 wurde nichts. Seitdem wird immer noch geplant und angesichts der Corona-Krise auch nach Möglichkeiten gesucht, das Vorhaben billiger zu gestalten. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bekennt sich jedoch weiter zu dem Prestigeprojekt.

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