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Streit in den Theatern : In den Schützengräben der Verletzbarkeit

  • -Aktualisiert am

Ron Iyamu als Toussaint Louverture in der Düsseldorfer Inszenierung von „Dantons Tod“ Bild: Thomas Aurin

Fiktive Welten, reale Probleme: Rassismusvorwürfe und Machtmissbrauch erschüttern die Theater. Der Streit ist heftig, die Suche nach neuen Formen des Miteinanders mühsam. Ein Gastbeitrag.

          6 Min.

          Das Düsseldorfer Schauspielhaus ist jüngst durch Rassismusvorwürfe ins Gerede gekommen. Das hat Anlass zu zahlreichen Presseerklärungen und Interviews gegeben. Was ist also geschehen? Ein junger Mann wird von der Salzburger Schauspielschule ins Ensemble des Düsseldorfer Schauspielhauses engagiert. Ron Iyamu beginnt als „Actor of Colour“ an einem berühmten Theater seine Laufbahn als professioneller Schauspieler. Zuerst spielt er im Ensemble der Jugendsparte, dann im Ensemble des Staatstheaters, wo er jedoch bald unglücklich ist. Im seinem ersten Jahr wird er dort in einer Inszenierung von „Dantons Tod“, Georg Büchners Drama über die Französische Revolution, besetzt. Der Regisseur ist Armin Petras, der lange Intendant des Berliner Maxim Gorki Theaters und zuletzt Intendant des Stuttgarter Staatstheaters war. Ich habe einmal als Dramaturg mit ihm zusammengearbeitet und ihn als einen energiegeladenen, menschenfreundlichen und politisch engagierten Regisseur und Autor erlebt.

          In der Düsseldorfer Inszenierung kam seine Arbeitsweise bei dem jungen Kollegen nicht gut an. Zwei Vorfälle sind es, die Ron Iyamu besonders verstörten und schließlich zu der aktuellen Aufregung geführt haben. Zum einen hat Petras ihn während der Proben wohl mehrfach „Sklave“ genannt. Da er in der Rolle des haitianischen Sklaven Toussaint Louverture besetzt war, der zu den Anführern des berühmten Sklavenaufstands in Haiti zählte, ist das keine ungewöhnliche Ansprache bei Proben. Die Schauspieler, die den Hamlet, die Narren oder Tyrannen spielen, werden oft mit ihren Rollennamen gerufen. Teils im Spaß, teils in der Eile und eigentlich nie in böser Absicht. Beim „Sklaven“ könnte man das anders sehen.

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