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Zum Tod von Alexander Wustin : Raffinierter Bekenner

Alexander Wustin (1943 bis 2020) Bild: Anisia Kuzmina

Die Musik von Alexander Wustin verband bodenständige Lebenswahrheit mit technischer Komplexität. In der orthodoxen Osternacht ist der Komponist in Moskau gestorben.

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          Er war der russische Komponist, der das scheinbar Unvereinbare, autochthone Ehrlichkeit und technische Raffinesse zusammenbrachte wie einst Modest Mussorgski. Alexander Wustin, der 1943, mitten im Krieg gegen Hitler-Deutschland, in Moskau zur Welt kam, war in seiner scheuen Geradheit und Verletzlichkeit aber auch ein Produkt der spezifischen Treibhausbedingungen im spätsowjetischen Moskau. Wustin, der früh bei dem Komponisten Grigori Frid lernte, am Konservatorium aber auch zum Kreis um Edison Denissow gehörte, wurde von diesem stilistisch dennoch nicht geprägt. Als Musikredakteur beim Staatsradio entwickelte er durch die Bekanntschaft mit westlicher Avantgarde-Musik seine eigene, späte, sehr persönlich-spirituelle Zwölftontechnik, ließ sich aber auch durch alte Volksmusik inspirieren.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Wustin gehörte 1990 zu den Neubegründern der „Assoziation für Zeitgenössische Musik“, er blieb aber nach dem Ende der Sowjetunion, als viele Komponisten seiner Generation auswanderten, im Land. Seine oft theaterwirksame Instrumentalmusik mit ihren elaborierten Schlagzeugparts verarbeitet viel Gewalterfahrung. Häufig werden utopisch klingende Stilzitate in Konzertinstrumenten von einem Schlagapparat, dessen polyrhythmischen Kaskaden als Fuge strukturiert sein können, regelrecht zerfetzt oder begraben. In seinen späten Revolutionsliedern nach Alexander Blok lässt Wustin das Schlagzeugtrommelfeuer gar auf den polyphonen Rezitativ- und Sprechchor eines Folkloregesangsensembles los – so etwas konnte nur er.

          Sein Hauptwerk, die Oper „Der verliebte Teufel“ nach Jacques Cazotte, an der er von 1975 bis 1989 arbeitete, und das die Summe seiner Klangsprache zieht, wurde endlich im vergangenen Jahr in Moskau aufgeführt, unter dem Dirigenten Wladimir Jurowski, der für den Komponisten entbrannte. Das musikalische Faustdrama, worin ein mondäner Adliger vom Teufel in Gestalt einer schönen Frau versucht wird – was Wustin in ein magisches Theater mit trotz Serialität sangbar-expressiven Arien, elektronischem Geisterklang und natürlich hochkomplexem Schlagwerk übersetzt –, war die wichtigste Moskauer Entdeckung der letzten zwanzig Jahre. Persönlich überaus bescheiden, erinnerte Wustin, der eine jüdische Mutter hatte, äußerlich an Gustav Mahler und schrieb wie dieser stets lebensgesättigte Musik. In der orthodoxen Osternacht ist er im Alter von 76 Jahren in Moskau gestorben.

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