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Salzburger Festspiele : Ein gefährlicher Triumph

  • -Aktualisiert am

Asmik Grigorian verausgabt sich in „Suor Angelica“ Bild: dpa

Lange waren die Opern von Puccini in Salzburg verpönt. Jetzt wird der Komponist mit „Il trittico“ durch Christof Loy und Franz Welser-Möst rehabilitiert. Die Sängerin Asmik Grigorian geht dabei hohe Risiken ein.

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          Puccini in Salzburg? Lange Zeit undenkbar. Noch für Gérard Mortier war der letzte Großmeister der italienischen Oper – „Ich sehe mir doch auch nicht den ,Untergang der Titanic‘ an“ – festivalunwürdig. Es sei also Zeit, befand Markus Hinterhäuser, die in den heil’gen Hallen Mozarts ein Jahrhundert lang nicht ge­duldeten Stücke zu rehabilitieren. Die Wahl fiel auf einen Zyklus von drei Kurzopern: „Il Tabarro“, einen brutalen veristischen Reißer; „Suor Angelica“, eine sentimentalische Frauentragödie; und „Gianni Schicchi“, die Posse eines Erbschleichers. Für die Inszenierung wurden mit Christoph Loy ein herausragender Re­gisseur gewonnen, mit Franz Welser-Möst der Erfolgsdirigent der letzten Festspieljahre und mit der Sopranistin Asmik Grigorian eine neues Sänger-Idol für die drei weiblichen Hauptrollen.

          Bei der Uraufführung des sogenannten Trittico am 14. Dezember 1918 an der Metropolitan Opera waren für diese konträren Partien gleich drei große Di­ven aufgeboten worden: Claudia Muzio, die Duse des veristischen Gesangs, für die Giorgetta in „Il Tabarro“; die lyrische Sopranistin Geraldine Farrar für die Leidensgeschichte einer ausgegrenzten Frau in „Suor Angelica“; endlich die belcantische Edelstimme von Emma Eames für die Partie der Lauretta in der fröhlich-makabren Komödie „Gianni Schicchi“. Damals wurde das Werk nur mit einem dem Weltruhm des Komponisten ge­schuldeten säuerlichen Respekt akzeptiert; erst als Emma Eames als Lauretta mit „O mio babbino caro“, dem Protagonisten von „Gianni Schicchi“, drohte, sich im Arno zu ertränken, wenn er sich ihrer Liebe zu Rinuccio in Weg stellen würde, erfüllte sich die Sehnsucht des Publikums nach einer jener bittersüß-schwelgerischen Melodien, die Puccini sowohl seinen Ruhm einbrachten als auch den Ruch des Popu­listen.

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