https://www.faz.net/-gqz-94aqo

Jazzfest in Sachsenhausen : Progressiv und traditionell

  • -Aktualisiert am

Jazzt in der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen: Eva Klesse Bild: Antje Kröger

Heute beginnt das zweite Jazzfest der Fabrik in Frankfurt-Sachsenhausen. Es treten das Eva Klesse Quartett und die Roman Babik Urban Wedding Band auf. Das ist aber nicht alles.

          Auch unter ihrer neuen künstlerischen Leitung möchte die Fabrik in Sachsenhausen weiterhin dem Jazz eine Plattform bieten. Dabei wird das Genre hier bewusst weit gefasst. Junge Musiker mit progressiven Ideen, jüngst etwa der vielversprechende Mainzer Pianist Jan Felix May, werden ebenso engagiert wie Vertreter relativ traditioneller Ausrichtungen. Darüber hinaus kooperiert die Fabrik unregelmäßig mit der Jazz-Initiative Frankfurt, zuletzt beim bemerkenswerten Konzert des amerikanischen Gitarristen Scott DuBois und seiner internationalen Band. Letzten Herbst erfreute sich das erste Jazzfestival der Fabrik großer Resonanz, an zweien der drei Abende war das längliche Kellergewölbe am Mittleren Hasenpfad bis in die hinteren Winkel gefüllt.

          Dieses Jahr umfasst das Programm fünf Gruppen, wobei es am Freitagabend wieder auf einer Zusammenarbeit mit der Jazz-Initiative fußt und einer Band, nämlich dem Bastian Jütte Quartet, vorbehalten ist. Für den Samstag, wenn zunächst Gitarrist Max Clouth aus Frankfurt, dann das Quartett von Julian und Roman Wasserfuhr auftreten werden, gibt es nur noch Restkarten an der Abendkasse.

          Kraftvolle Impulse

          Zur heutigen Eröffnung des Festivals hat die Fabrik zwei ebenso unterschiedliche wie markante Bands eingeladen. Das Quartett um die Schlagzeugerin und Komponistin Eva Klesse hat sich mit zwei Alben in die Spitzengruppe des jungen deutschen Jazz gespielt. Ihr Debüt „Xenon“ wurde 2015 mit einem Jazz-Echo ausgezeichnet, noch profilierteren Gestaltungswillen zeigt die Band auf dem Nachfolger „Obenland“. Klesse zeichnet sich durch ungewöhnlich sensible und luftige Spielweise aus. Sie lauscht auf Nuancen der übrigen Musiker und setzt bisweilen kraftvolle Impulse.

          Auch der von Spätromantik inspirierte Pianist Philip Frischkorn steuert Stücke zum Repertoire bei, ebenso Altsaxophonist Evgeny Ring und Bassist Robert Lucaciu. Charakteristisch sind fließende Passagen, Melodien von hintergründiger Schönheit, wechselnde Klangfarben und dynamische Variationen. Eine ganz andere Richtung schlägt die Urban Wedding Band um den Pianisten Roman Babik ein: Saxophonist Dimitrij Markitantov stammt aus Kiew, Bassist Martin Gjakonovski aus Mazedonien, Schlagzeuger und Perkussionist Bodek Janke hat polnische Wurzeln. Entsprechend vereint das Ensemble mit Verve Jazz- und osteuropäische Folk-Einflüsse.

          Als Bastian Jütte 2015 begann, die Stücke für ein neues Quartett zu schreiben, hatte er die Besetzung bereits im Kopf. Entsprechend geschlossen klingt die Band auf dem Album „Happiness Is Overrated“, zumal sich alle Beteiligten schon seit Jahren kennen. Immerhin gehören sie zu jenen deutschen Jazzern, die heute zwischen 40 und 50 Jahre alt sind und sich als Musiker und Hochschuldozenten etablieren konnten. Zudem sind fast alle in München zu Hause. Mitunter schimmert durch, dass Bandleader Jütte Schlagzeuger ist, etwa in komplexen rhythmischen Geflechten und Verdichtungen, an denen der kluge Bassist Henning Sieverts fleißig mitstrickt. Saxophonist Florian Trübsbach und Pianist Rainer Böhm nutzen diese als Basis für solistische Ausflüge, wobei sie zumindest bei den Studioaufnahmen nicht zu weit davonfliegen.

          Weitere Themen

          Standardisiert wie ein Püppchen

          Janáčeks Oper : Standardisiert wie ein Püppchen

          Es ist eine Auflehnung gegen die Bigotterie. Lydia Steiers Inszenierung von Janáčeks Oper „Kátja Kabanová“ im Staatstheater Mainz birgt eine unerwartete Würze.

          Topmeldungen

          Brexit : Übernimmt das Unterhaus die Kontrolle?

          Am kommenden Dienstag stimmen die Abgeordneten des britischen Unterhauses über das weitere Vorgehen in Richtung Brexit ab. Die Änderungsanträge zur „neutralen Vorlage“ der Regierung haben es in sich.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.