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„Elektra“ in Salzburg : Wenn das Blut tanzt

Ausrine Stundyte (Elektra) wird bekniet von Asmik Grigorian (Chrysothemis). Bild: dpa

Die Premiere von Richard Strauss’ Oper „Elektra“ gelingt in Salzburg großartig. Der Dirigent Franz Welser-Möst sowie die beiden litauischen Sopranistinnen glänzen. Aber das Publikum zeigt wenig Verantwortungsgefühl.

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          Welch gespenstischer Leichtsinn, welch dickfelliger Bequemlichkeitsegoismus: Vor dem großen Festspielhaus drängt sich – während im Hintergrund die „indigene Bevölkerung“ (sie nennt sich wirklich so) des Salzburger Landes, also das Alpenindinanertum der Pensionsbesitzer, Treckerfahrer und Grillwurstverzehrer, gegen die Verlegung einer weiteren Hochspannungsleitung demonstriert – das Publikum dicht an dicht in die Premiere von „Elektra“ in der Felsenreitschule.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Wer einen Sicherheitsabstand lässt, muss erleben, wie andere in die Lücke schießen. Je teurer das Tuch um die Hüften, desto geringer die Bereitschaft, eine Maske zu tragen (und wenn, dann eine aus alabastern schimmernder Krawattenseide). Ein Mann im blauen Lacoste-T-Shirt verschachert eilig Last-Minute-Tickets und durchkreuzt damit das Sicherheitskonzept des personalisierten Kartenverkaufs. Die Infektionskettenverfolgung ist schon im Ansatz perdu. Unmaskierte Fotografen und Fernsehkameraleute schieben sich, lüstern auf den nächsten Schuss, zwischen die Massen. Die Salzburger Festspiele 2020 haben begonnen, wer weiß, wie lange sie dauern werden. Mit großer Sorgfalt hat sich die Leitung Gedanken um ein Sicherheitskonzept in Zeiten der Pandemie gemacht. Aber sie kann sich ihr Publikum nicht aussuchen. Wie in Berlin scheinen auch in Salzburg die Corona-Schutzmaßnahmen viele Gebildete unter ihren Verächtern zu haben. Zivilisation ist an diesem frühen Sommerabend eher soziale Statusbestätigung als Rücksichtnahme und Selbstzähmung.

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