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Prager Staatsoper : Keine Oper wie jede andere

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Gegenschuss: Blick auf die Bühne der Staatsoper

Daher ging der Auftrag an die besten Theaterarchitekten ihrer Zeit, das Büro Fellner und Helmer in Wien. Ferdinand Fellner und Hermann Helmer hatten am Ende ihrer Laufbahn 1919 fast fünfzig Theaterbauten in ganz Europa geplant und errichtet. Sie wurden bekannt durch eine effiziente, kostengünstige und in den Zeitplänen zuverlässige Bauweise; sie lieferten Häuser, die die Ansprüche sowohl der Künstler wie auch des Publikums erfüllten und in der technischen Ausstattung sowie beim Brandschutz das Modernste der Zeit boten. Die Staatsoper, das damalige „Neue Deutsche Theater“, ist Fellner und Helmer de Luxe.

Man betritt ein Haus, das im ersten Moment intim, gar nicht opernmäßig wie Wien oder Paris wirkt. Schnell merkt man aber, wie klug der Platz kalkuliert ist. Vom ovalen Empfangsraum gehen nicht Prunkstiegen, sondern Funktionstreppen ab: Die Besucher sollen sich schnellstmöglich verteilen, zu den Garderoben, an ihre Plätze kommen. Im Zuschauersaal selbst hatte das Büro ein Maximum an Karyatiden, Putten, Messingleuchtern und Schmuckrelief aufgefahren, mit sicherem Geschmack für das Maßhalten jedoch. Das Auge zeigt sich vom Prunk erfreut, niemals aber abgelenkt.

Wiedereröffnung ist ein Startschuss

Für den Intendanten Per Boye Hansen war die Wiedereröffnung ein gelungener und wichtiger Tag. Der Norweger Hansen, der bis 2017 die Oper in Oslo leitete, ist seit August 2019 Opernintendant aller drei Häuser des Nationaltheaters. Seine Berufung war nicht unumstritten. Die künstlerischen und administrativen Mitarbeiter des „Nationaltheaters“, der Dachorganisation der drei Spielstätten, formierten Widerstand; sie schrieben im Mai 2019 einen offenen Brief an den Generaldirektor des Nationaltheaters, Jan Burian, in dem sie beklagten, das Berufungsverfahren für Hansen sei aus ihrer Sicht intransparent gewesen. Sie kritisierten, dass Hansen für sie keine erkennbare Vision für die künstlerische Zukunft der drei Opernbühnen formuliert habe und auch mit den organisatorischen Bedingungen nicht vertraut genug sei.

Diese Stimmung scheint sich zu Hansens Gunsten geändert zu haben. Im Gespräch zeigte sich Hansen sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit mit dem gesamten Stab und beschrieb sein Konzept, wie er den einzelnen Bühnen ihr auch über Prag hinaus deutliches Profil geben wolle: das tschechische Repertoire, betont auch mit unbekannteren oder wenig gespielten Werken und Komponisten, im Nationaltheater; die internationalen Opernklassiker, bis hin zur Moderne, in der Staatsoper. Und das Ständetheater als das Haus für Mozart – dort wurden „Don Giovanni“ und „La Clemenza di Tito“ uraufgeführt – und für Barockoper.

Das Galakonzert als Schaufenster gab den klingenden Beleg, wie alle Beteiligten auf künstlerischer Seite bereit sind für diese Zukunft. Der Abend war der Geschichte des Hauses gewidmet – der 91 Jahre alte Pavel Kohout erinnerte in Videosequenzen daran mit der ganzen Autorität des weltweit respektierten Humanisten. Was er aber verbreitete, das war die Stimmung des Aufbruchs.

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