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Starpianist Vikingur Ólafsson : Zerlege den Komponisten!

  • -Aktualisiert am

Vikingur Ólafsson interpretiert Mozart auf eine ungewohnte Art. Bild: Ari Magg

Vikingur Ólafsson spielt Musik und redet darüber. Wenn es sein muss, im Konzert. Das Studio nutzt der Pianist als Labor. Jetzt hat er Mozart neu eingespielt.

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          Alle lachen, und dann murmelt jemand im Publikum: „In fünf Jahren ist der doch Ministerpräsident von Island. Mindestens!“ Gerade war Vikingur Ólafsson mitten in Mozarts d-Moll-Fantasie aufgesprungen und hatte einen Gag darüber gemacht, dass er gekommen sei, um die „neuen Stücke“ von Mozart zu spielen. Es wird überhaupt viel gelacht bei diesem Konzertabend. Der Isländer sagt immer wieder, was er da interpretiert und wie, spielt mal ein paar Takte an, plaudert, spielt dann ein paar andere Takte extra falsch und erläutert, warum man es so nicht machen darf.

          Neue Stücke von Mozart gibt es natürlich nicht, aber ein neues Album des Pianisten Vikingur Ólafsson. Und auch wenn die Noten rund zweihundertdreißig Jahre alt sind, die er darauf spielt, es klingt sehr frisch und neu. Vikingur Ólafsson: Scheitel, runde schwarze Brille, Rollkragenpulli und Jackett. Kerzengerade steht er am Klavier, grinst ein wenig, ein Showmaster. Ein Bild wie aus der italienischen L’Uomo Vogue.

          Jetzt erscheint sein viertes Album beim Traditionslabel Deutsche Grammophon, nach Philip Glass, J. S. Bach, und Debussy/Rameau widmet der isländische Pianist sich diesmal Wolfgang Amadeus Mozart. Also wieder einem ganz großen Thema der Musikgeschichte, der Geburt der Klassik. „Ich ziehe mich immer ein halbes Jahr lang zurück und lese und spiele nur“, erklärt Ólafsson im Gespräch. Monatelang grabe er sich in Biographien hinein, studiere die Epoche des Komponisten, spiele alle seine Noten – oder jedenfalls viel mehr, als am Ende auf dem Album landet. Für die Platte „Mozart & Contemporaries“ hat er auch noch Zeitgenossen Mozarts studiert und Stücke von Baldassare Galuppi, Domenico Cimarosa, Joseph Haydn und Carl Philipp Emanuel Bach mit in die vierundachtzig Minuten des Albums genommen. Alles dient einem Ziel: Mozart verstehen. Der Komponist, der selber Pianist war und von dem wir heute ein Zerrbild pflegen und der auch nicht besonders beliebt ist im aktuellen Konzertbetrieb.

          Eine Entführung in die Welt der Klassik

          Ólafsson ist siebenunddreißig Jahre alt, zwei Jahre älter, als Mozart überhaupt nur wurde. Mit fünf begann Ólaf­sson, Mozart zu spielen, mit sieben besuchte Ólafsson zum ersten Mal eine Oper, es war natürlich die „Zauberflöte“. Man stellt sich Mozart heute meist als verspieltes Wunderkind vor – dafür hat der Film „Amadeus“ von Miloš Forman gesorgt. Doch in seinen letzten zehn Lebensjahren stand der Salzburger von vielen Seiten unter Druck, hatte depressive Phasen. Die Musik allerdings, die wir heute von Mozart hören, stammt fast ausschließlich aus dieser Zeit. Aus Jahren, in denen er um persönliche Freiheit ringt. Gegen Widerstände kämpft. Mozart heiratet Constanze Weber; sein Vater Leopold, der auch sein wichtigster Lehrer war, kommt nicht zur Hochzeit; er missbilligt die Verbindung.

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