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Berliner Bühnen proben Öffnung : Endlich wieder tausend Zuschauer im Saal und alle sind getestet

Endlich wieder tausend Menschen in der Berliner Philharmonie, und alle sind getestet: Das Konzert 20. März in der Berliner Philharmonie Bild: Stephan Rabold

Planen, testen, spielen: Berliner Opernhäuser und Theater proben den Betrieb unter Pandemie-Bedingungen. Die Philharmoniker stellen erste Befunde vor.

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          Es ist ein Test, der über die unmittelbare Zukunft zahlreicher Kultureinrichtungen entscheiden könnte. Welcher Logistik bedürfen Konzertsäle, Opernhäuser und Theater für ihre Veranstaltungen unter Pandemiebedingungen, und wie reagieren die Zuschauer auf unvermeidbare Einschränkungen und Auflagen? Diszipliniert, pragmatisch, verantwortungsbewusst, dankbar und enthusiastisch – so habe sich zu großen Teilen das Publikum gezeigt, das im Rahmen des Pilotprojekts „Perspektive Kultur“vor wenigen Tagen an einem Konzert der Berliner Philharmoniker teilnehmen konnte (F.A.Z. vom 22. März).

          Es war das erste Konzert in der Philharmonie seit fünf Monaten und das erste seit einem Jahr, das vor tausend Zuschauern stattfinden konnte. Wie bei allen an dem auf Berlin beschränkten Projekt teilnehmenden Kulturinstitutionen waren die Tickets auch für das Konzert unter Dirigent Kirill Petrenko innerhalb weniger Minuten ausverkauft. Jetzt hat Intendantin Andrea Zietzschmann zusammen mit anderen Verantwortlichen erste Ergebnisse der begleitenden Studie vorgestellt. Demnach habe sich gezeigt, dass es „sowohl möglich als auch sicher ist“, Veranstaltungen unter strengen Hygieneregeln mit einem vorgeschalteten Covid-Test durchzuführen. Es habe sich erwiesen, dass Testungen der Zuschauer am Veranstaltungsort aus ärztlicher wie logistischer Sicht „gut machbar“ seien. Fünfhundert Zuschauer wurden dabei im Laufe des Veranstaltungstages an dezentralen Orten getestet, weitere fünfhundert unmittelbar vor Konzertbeginn in der Philharmonie selbst. Dabei konnten etwa zehn Tests pro Minute durchgeführt werden. Fast drei Viertel der befragten Zuschauer würden es vorziehen, unmittelbar vor Vorstellungsbeginn am Veranstaltungsort selbst getestet zu werden und dafür auch längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Kosten für tausend vor Ort durchgeführte Tests werden mit 25,10 Euro je Test beziffert.

          Auch Oliver Reese, der Intendant des Berliner Ensembles, das an zwei Abenden die Inszenierung „Panikherz“ aufführen konnte, zeigte sich gegenüber dieser Zeitung sehr zufrieden mit dem Ablauf des Pilotprojekts: „Die Logistik des Ticketverkaufs mit der Kopplung an einen Corona-Schnelltest hat reibungslos funktioniert – wir erhoffen uns daher, dass dieses Modell Schule machen wird und es somit schnellstmöglich zu einer Öffnung der Theater kommen kann, die nicht an Inzidenzwerte geknüpft ist.“

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