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Peter Weck wird 90 : Ein froher Gentleman, der einiges verbrochen hat

  • -Aktualisiert am

Peter Weck Bild: dpa

Eigentlich wollte Peter Weck Dirigent werden. Zum Glück fehlte dafür die Ausdauer, denn sonst wäre ein großer Schauspieler an ihm verloren gegangen. Jetzt wird er 90 Jahre alt.

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          Ursprünglich, nachdem er seine Karriere als Sopransolist bei den Wiener Sängerknaben mit Einsetzen des Stimmbruchs 1944 beendet hatte, wollte Peter Weck Dirigent werden. Das Studium an der Universität für Musik und Darstellende Kunst brach er aber nach knapp zwei Jahren ab, da er, wie er in einem Interview und später in seinen Memoiren anmerkte, zwar das Talent, „aber nicht die Ausdauer“ für diesen Beruf gehabt habe. Ein auf Wunsch des Vaters parallel dazu begonnenes technisches Studium tauschte er mit großem Erfolg gegen eine Schauspielausbildung am Max-Reinhardt-Seminar, die er 1953 mit Auszeichnung beendete.

          Engagements folgten am Stadttheater Klagenfurt, am Theater am Kurfürstendamm in Berlin und für fünf Jahre (1954 bis 1959) am Theater in der Josefstadt, wobei er zwischendurch auch in den Münchener Kammerspielen und am Hamburger Schauspielhaus auftrat. Von 1959 bis 1970 gehörte er dann dem Ensemble des Wiener Burgtheaters und, zwischen 1965 und 1976, auch dem Züricher Schauspielhaus an. Sein Repertoire reichte dabei von Goldoni bis Shaw, von Shakespeare bis Nestroy. In Zürich konnte Peter Weck auch als Regisseur reüssieren.

          Dass er daneben regelmäßig in Filmen mit eher bescheidenem Anspruch mitwirkte – als partes pro toto seien hier nur „Die Försterchristel“ (1962, Regie Franz Josef Gottlieb) oder „Hochwürden drückt ein Auge zu“ (1971, Regie Harald Vock) erwähnt und gleich wieder vergessen –, kommentierte er in einem Gespräch mit der F.A.Z. so: „Mir machen die Sachen zu schaffen, die ich anfangs der siebziger Jahre verbrochen habe.“ Anlass für dieses Interview war im Oktober 2002 übrigens die Erstausstrahlung des Venedig-Krimis „Nobiltà“ (nach Donna Leon), in dem er, der als (Film-)Schauspieler eben gerne als fröhlicher, großzügiger Gentleman stets tadellos frisiert und trotz des früh ergrauten Haars mit unerhört jugendlichem Aussehen recht einseitig besetzt wurde, als kaltherziger, adeliger Verbrecher ganz anders als gewohnt aufspielen durfte. Freilich, Weck hatte auch schon in Film und Fernsehen ernste Rollen gehabt, aber am besten in Erinnerung ist wohl sein Auftritt in der Serie „Ich heirate eine Familie“ aus den Jahren 1983 bis 1986.

          In dieser Zeit beförderte er, zuerst als Leiter des Theaters an der Wien, dann als Haupt der „Vereinigten Bühnen Wien“, mit deutschsprachigen Uraufführungen diverser Musicals von „Cats“ bis „Elisabeth“ seine Heimatstadt in die erste Liga dieses Genres. Manch einer verzeiht ihm das bis heute kaum. Dennoch, schon 1980 hatte er den Berufstitel „Professor“, 1990 dann „Kammerschauspieler“ verliehen bekommen. An diesem Mittwoch wird Peter Weck neunzig Jahre alt.

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