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Oper über Walter Benjamin : Gehetzt, doch nicht ohne Hoffnung

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Der Mensch kann vernichtet werden, die Partei nicht: Asja Lacis (Lini Gong, links) mit Benjamin (Dietrich Henschel) Bild: Bernd Uhlig

Peter Ruzicka hat eine eindringliche Oper über Walter Benjamin geschrieben. An der Staatsoper in Hamburg erlebt sie nun ihre Uraufführung – mit imposanten Singstimmen.

          Eine neue Oper ist heute nur selten noch eine Oper. Sie ist, nach einem von Mauricio Kagel geprägten Begriff, „neues Musiktheater“. Oder sie wird im Untertitel als „Musik mit Bildern“ bezeichnet wie Helmut Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“. Dessen Hamburger Uraufführung im Jahre 1997 gehörte zu den Großtaten des damaligen Intendanten Peter Ruzicka, der sich nun im Auftrag der Staatsoper als Komponist und Dirigent mit der Uraufführung von „Benjamin“ im Untertitel als „Musiktheater in sieben Stationen“ ausgewiesen – die Ehre geben kann. Der jüdische Philosoph Walter Benjamin gehört zu den ans Kreuz genagelten Denkern, die an der Welt zerbrochen sind und in dessen tragischer Lebensgeschichte die Verheerungen des zwanzigsten Jahrhunderts erkennbar werden. Zwei andere, die Epoche im Leben von Peter Ruzicka gemacht haben, sind Paul Celan und Friedrich Hölderlin. Dem jüdischen Dichter der „Todesfuge“ hat Ruzicka sein erstes Musiktheater gewidmet, 2001 in Dresden uraufgeführt, dem enigmatischen Lyriker die zweite, die 2008 an der Berliner Staatsoper herausgebracht wurde.

          Ob und wie Benjamin und sein „hochdiskursives Denken“ – über das barocke Trauerspiel, das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit oder den Begriff der Geschichte – musiktheatralisch sinnenfällig werden können –, dieser absehbaren Frage beugt Yona Kim, die Librettistin und Regisseurin der Hamburger Uraufführung, im Programmheft mit gleichsam salvatorischen Zweifeln vor. Im Musiktheater, so ihre Argumentation, verlieren Wörter ihr semantisches Eigengewicht und werden zu Impulsen für Klänge. Auch zu „diskursiven Kontexten“, die im Libretto zu signalhaften Parolen verdichtet werden, gebärde sich „Musik spielerisch, ja gefräßig, ja geradezu blutsaugerisch, um daraus andere Denkräume entstehen zu lassen“.

          Für die Handlung von „Benjamin“ reihen Ruzicka und seine Librettistin Szenen und Begegnungen aus dem rastlosen Leben eines Suchenden und Leidenden aneinander. Es ist eine Reise durch sieben Stationen, die Benjamin in der Stunde vor seinem Tod nacherlebt. Der reale Benjamin hat sich am 26. September 1940 bei der Flucht vor den Nazis in Portbou nahe der französisch-spanischen Grenze das Leben genommen. Die Bühne von Heike Scheele ist zum einen ein konkreter Ort: vielleicht eine Versammlungshalle, wo viele Menschen auf ihre Abreise oder ihren Abtransport warten. In diesen Fluchtort, der ins Ungewisse führt, verschlägt es Walter B. Unter dem löchrigen Dach – Chiffre für eine heillose Welt – erlebt er den Hetzlauf seines Lebens. Er erinnert sich an die lettische Schauspielerin Asja Lacis, seine Frau Dora, die Philosophin Hannah Arendt, den Religionshistoriker Gershom Sholem und Bertolt Brecht. Die Figuren, im Libretto nur mit ihrem Vornamen und dem Initial des Nachnamens benannt, kehren auf die Bühne als Menschen wie als Ideenträger zurück.

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