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Passionsspiele eröffnet : Es ward Nacht in Oberammergau

  • -Aktualisiert am

Das Losglück hat entschieden: Bei der Premiere spielte Frederik Mayet die Rolle des Jesus Bild: ddp

Lebende Bilder in knalligen Farben, Massenszenen und ein Hauch von Renaissance: Christian Stückls neue Inszenierung der Oberammergauer Passionsspiele überzeugt - trotz des unnahbaren Gottessohns.

          Es ist Nacht, als Jesus seine letzten Worte auf Hebräisch in den Himmel ruft – kurz darauf zucken Bühnenblitze. Es ist Nacht, als Maria Magdalena das leere Grab beweint – im künstlichen Vollmondschein. Und es ist Nacht, als der Auferstandene seinem Volk erscheint – im flackernden Fackellicht. Es ist Nacht in Oberammergau – zum ersten Mal bei einer Passion.

          Bis zum ersten von rund hundert Aufführungsabenden dachte man, diese hart umkämpfte und endlich 2007 per Bürgerentscheid eingeführte Authentisierung würde die charakteristische Änderung im diesjährigen 41. Spiel vom „Leiden, Sterben und Auferstehen unseres Herrn Jesus Christus“ darstellen, das die stolze Herrgottsschnitzergemeinde ihrem Gelübde im Jahr 1633 folgend alle zehn Jahre aufführt. Tatsächlich aber wirken die etwa zwei Stunden Dunkelheit in der Rückschau auf etwa fünf Stunden atmosphärisch dichte Passionsgeschichte lediglich wie ein natureller Nebeneffekt, allzu allnächtlich, um das zu ersetzen, was man von den fulminanten biblischen Schlussbildern des Regisseurs Christian Stückl zuletzt gewohnt war.

          Christlich-jüdische Glaubensparallelen werden betont

          Viel wichtiger für diese dritte Passionsspielleitung Stückls ist die Entscheidung, die Textfassung des Pfarrers Joseph Alois Daisenberger (1799 bis 1883) gemeinsam mit dem Dramaturgen Otto Huber sorgfältig zu bearbeiten: antisemitische Anspielungen werden getilgt, christlich-jüdische Glaubensparallelen hingegen werden betont. Der Vertreibung der Tempelhändler stellt Stückl etwa die Liebesbotschaft der Bergpredigt voran.

          Seit 1634: Alle zehn Jahre stemmen 2500 Oberammergauer Laiendarsteller die Passionsspiele

          Solche Analogführungen sind besonders eindrucksvoll in den perfekten Tableaux vivants nachzuvollziehen, den traditionellen Lebenden Bildern des Mysterienspiels, welche sich in Form von Szenen aus dem Alten Testament – meist aus den Büchern Moses – den Szenen aus dem Leben und Leiden Christi anschließen. Mit dem ästhetischen Unterschied, dass der Bühnen- und Kostümbildner Stefan Hageneier sein eingefrorenes alttestamentarisches Bilderbuch in knallig bunte Farben, symbolistische Formen und der italienischen Renaissance angelehnte Figurationen taucht, während die Kostüme zu den Szenen des Neuen Testaments in Naturtönen harmonieren.

          Diskussionen zwischen gelobtem und gottverdammtem Land

          Hinzugekommen ist gleich zu Beginn das Standbild „Die Rettung der Israeliten im Roten Meer“ als Präfiguration für das bedingungslose Vertrauen eines Volkes in seinen gottgesandten Führer. Eingeführt und kommentiert werden die Lebenden Bilder jeweils durch einen gesprochenen Prolog und einen gesungenen Dialog zwischen dem exzellenten Chor und seinen hervorragenden Solisten. Dabei hat auch die Passionsmusik des Oberammergauers Rochus Dedler (1779 bis 1822) durch die Neukompositionen des musikalischen Leiters Markus Zwink an Unmittelbarkeit gewonnen.

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