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„Parsifal“ in Salzburg : Ein fast buddhistisch anmutender Entsagungszauber

  • -Aktualisiert am

Michaela Schuster als Kundry im Salzburger „Parsifal“ Bild: dpa

Szenische Impulse gehen von den Salzburger Osterfestspielen selten aus. Was Regisseur und Ausstatter zum Einstand des neuen künstlerischen Leiters Christian Thielemann bei Wagners „Parsifal“ ablieferten, gibt jedoch Anlass zu Befürchtungen.

          Es war kein Paukenschlag. Ein leise vergrummelnder Wirbel, wie am Schluss des zweiten Aufzugs von Wagners „Parsifal“, mehr nicht. Als die Berliner Philharmoniker und ihr Chefdirigent Simon Rattle vor zwei Jahren bekanntgaben, dass sie ihr Engagement bei den Salzburger Osterfestspielen nicht über 2012 hinaus fortführen würden, war das für Branchenkenner und österliche Salzburgbesucher keine Überraschung. Das verbreitete Unbehagen gegenüber diesem Saisonfestival, hervorgerufen durch schwierige Produktionsbedingungen und mehr noch durch ein in Unschärfe zerlaufendes künstlerisches Profil, führte dazu, dass viele den Bruch der Berliner mit Salzburg als Befreiung empfanden.

          Wirklich erstaunlich war nur, wie reibungslos danach das wahrscheinlich spektakulärste Stühlerücken in der europäischen Festivallandschaft vollzogen wurde: Anstelle der Berliner, die nunmehr in Baden-Baden ihr Osterglück suchen, holte man einfach das zweite deutsche Renommierorchester, die Dresdner Staatskapelle, an die Salzach; und statt Rattle berief man Christian Thielemann zum künstlerischen Leiter. Alles neu und doch irgendwie alles beim Alten.

          Anlass zu Befürchtungen

          Genau dies war auch der Eindruck, den der Einstand von Thielemann mit seinen Dresdnern in einer Neuproduktion von Wagners „Bühnenweihfestspiel“ hinterließ: erwartbar der geradezu frenetische Zuspruch für die Festivalretter aus Sachsen; ebenso einhellig - doch auch das hat hier an Ostern schon Tradition - die Ablehnung der szenischen Produktion.

          Umzingelt: Johan Botha als Parsifal

          Ein Festival, das sich zu über neunzig Prozent aus dem Kassenverkauf finanzieren muss und dementsprechend Eintrittspreise von bis zu vierhundertneunzig Euro pro Karte verlangt, ist mit Regie-Wagnissen naturgemäß zurückhaltend. Das war schon zu Zeiten des Festspielgründers Karajan so, der als Regisseur von eigenen Gnaden das meiste vorsichtshalber selbst auf die Bühne wuchtete. Szenische Impulse für die Opernrezeption gingen von den Osterfestspielen auch später selten aus, einige Peter-Stein-Inszenierungen aus der Ära Claudio Abbados und zuletzt Stefan Herheims radikal-zwiespältige „Salome“ von 2011 ausgenommen. Was Michael Schulz und der Ausstatter Alexander Polzin jetzt bei Wagners „Parsifal“ ablieferten, gibt allerdings Anlass zu Befürchtungen.

          Umkreist von Doppelgänger- und Spiegelfiguren

          Der Generalintendant des Gelsenkirchener „Musiktheaters im Revier“ ist ein stadttheatergestählter Regisseur. Schulz versteht sich auf szenische Arrangements mit ein paar interpretatorisch gemeinten Accessoires - und viel mehr ist an diesem Abend nicht zu sehen. Viel mehr „darf“ Schulz aber wohl auch nicht. Denn all die willkürlich wirkenden Auftritte und Abgänge, das ewige Hin und Her, Kreuz und Quer auf der Riesenbühne des Großen Festspielhauses dienen ganz offenkundig in erster Linie einem Zweck: die Sänger so zu positionieren, dass sie immer und überall gut zu hören sind.

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