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Opernsängerin Brenda Rae : „Ich brauche mehr Traviata in meinem Leben!“

  • -Aktualisiert am

Von Frankfurt in die Welt: Brenda Rae Bild: Monika Rittershaus

Für Brenda Rae war die Frankfurter Oper der Start in eine Weltkarriere. Ein Gespräch über schnelle Rollenwechsel, deutsche und amerikanische Oper und das Frankfurter Publikum.

          Als Kind wollten Sie Rockstar werden. Heute sind Sie eine bekannte Opernsängerin. Wie kamen sie zur klassischen Musik?

          Der Sprung war gar nicht so groß. Ich hatte früher klassische Musik studiert. Mit fünfzehn habe ich mit dem Gesangsunterricht angefangen. Meine Lehrerin wusste, dass ich gerne Jazz und Pop und Rock singen wollte. Meine Lieblingsstars waren Tory Amos und Trent Reznor von Nine Inch Nails. Aber ich war eigentlich ein sehr braves Kind. Ich hab nur ein bisschen tough ausgesehen, genauso wie die Musik, die ich angehört habe. Dann habe ich eine Szene aus Bellinis Sonnambula einstudiert, und von diesem Moment an war ich total verliebt in die klassische Musik.

          Brenda Rae als Cleopatra in Händels „Giulio Cesare in Egitto“ Bilderstrecke

          Sie haben an der Juilliard School in New York studiert, die bekannt dafür ist, die Besten der Besten hervorzubringen. Wie wirkt sich der Konkurrenzdruck auf Freundschaften und den kollegialen Umgang aus?

          Wir hatten Glück. In meiner Klasse gab es nicht so viel Konkurrenz. Wir Sopranistinnen waren alle gut befreundet. Man hatte eher Konkurrenz mit sich selbst. Vielleicht spürt man den Konkurrenzdruck auch nur, wenn man sich nicht so sicher ist. Das Leben ist schöner, wenn man lockerer an die Sachen ran geht.

          Sie sind seit der Spielzeit 2008/2009 fester Bestandteil des Frankfurter Ensembles. Dies hält Sie allerdings nicht auf, an vielen großen Bühnen zu gastieren. Viele bekannte Sänger treten heute international so häufig auf, dass ihre Stimme leidet und wenig Zeit zum Einüben neuer Stücke bleibt. 

          Das stimmt, man muss vorsichtig sein. Bis jetzt hatte ich noch keine Probleme. Meine Anfangszeit im Frankfurter Ensemble war für meine Stimme sehr gut und gesund. Die ersten beiden Jahre hatte ich noch keine Gastengagements, und das war sehr, sehr gut. Ich war frisch von der Universität gekommen und konnte hier in Frankfurt ein „Artistic Home“ finden. Ich fühle mich hier „grounded“, wie wir sagen. Dann hat sich alles so entwickelt. In meiner dritten Saison hatte ich zwei Gastengagements, und dann kam immer mehr und immer mehr.

          Fällt es Ihnen schwer, das Frankfurter Ensemble in nächsten Jahr zu verlassen?

          Dies ist tatsächlich meine letzte Spielzeit als Frankfurter Ensemblemitglied. Aber ich werde so oft wie möglich nach Frankfurt kommen und auch in der nächsten Spielzeit noch Vorstellungen in Frankfurt haben. Ich gehe hier durch die Flure und ich rieche den Theatergeruch, der wirklich nicht der schönste Geruch ist, aber ich fühle mich daheim.

          Wie gelingt es Ihnen, Ihr Leben als junge Mutter mit dem einer Opernsängerin zu verbinden?

          Bisher hat es gut funktioniert. Aber während der richtigen Probenzeiten bin ich acht Stunden am Tag ohne meinen Mann und mein Baby. Glücklicherweise kommt mein Mann mit nach London, wo ich Alban Bergs „Lulu“ an der English National Opera singe. In England ist es nicht wie in Deutschland. Man macht einen Probentag ganz durch. Drei Stunden Probe, eine Stunde Pause, drei Stunden Probe. Hier in Frankfurt machen wir drei Stunden Probe, dann mindestens vier Stunden Pause und dann noch einmal drei Stunden. So hat man mittags mehr Zeit, seine Kinder zu sehen. Das weiß ich als Mutter sehr zu schätzen. 

          Wenn Sie sich auf Stücke vorbereiten, haben sie dann auch Hilfe von Gesangslehrern oder Pianisten?

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