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Opern-Aufführungen in Berlin : Wirkungsvoll durchs Notenmeer

  • -Aktualisiert am

Daniela Barcellona als Mrs. Quickly und Michael Volle als Sir John Falstaff in „Falstaff“ an der Staatsoper Berlin Bild: Matthias Baus

Eins zu Null für die exklusive Sängerriege: Stefan Herheim inszeniert an der Komischen Oper „Ritter Blaubart“, an der Staatsoper dirigiert Daniel Barenboim Verdis „Falstaff“.

          Arrigo Boitos geistreiche Shakespeare-Adaption, nach der Giuseppe Verdi Ende des achten Lebensjahrzehnts seinen 1893 uraufgeführten „Falstaff“ schrieb, ist nicht nur unter bühnenpraktischen, sondern auch literarischen Gesichtspunkten ein Meisterwerk, vergleichbar den Leistungen Lorenzo da Pontes für Mozart und Hugo von Hofmannsthals für Strauss. Offenbachs Stammlibrettisten Henri Meilhac und Ludovic Halévy, die knapp dreißig Jahre früher für den „Blaubart“ verantwortlich zeichneten, waren ebenfalls Könner ihres Fachs – geschliffen-witzige Sprachjongleure, die ihren Komponisten massenweise brillante Pässe in den Lauf spielten, die diese im günstigsten Falle zu Volltreffern verwandelten.

          Man kann die nun in Berlin herausgebrachten (und zwischen all den Passionen und Bußpsalmen der Karwoche freilich seltsam gelegenen) Schwerenöter-Komödien – Offenbach an der Komischen, Verdi an der Staatsoper – in ihrer Unterschiedlichkeit nicht besser charakterisieren als im Umgang mit diesen Texten. Unter den Linden gibt’s Boitos Original mit vier italienischen Muttersprachlern in tragenden Rollen, die eingeblendeten deutschen Übertitel der Profis von „libreTTitoli“ halten sich an eine flotte Mischung der alten Renaissance-Arabesken mit dem Sprachgebrauch der Post-Achtundsechzigerermoderne – jener vorerst handyfreien Zeiten also, in denen erotische Botschaften meist noch per Brief übermittelt wurden und wo der Regisseur Mario Martone das ganze Spektakel ansiedelt.

          „Blaubart“ von Jacques Offenbach an der Komischen Oper Berlin

          An der Behrenstraße hingegen gibt es Eingedeutschtes. Vielleicht als Reverenz an Walter Felsenstein, der ja an der Komischen Oper mit dem „Blaubart“ einen seiner Dauerbrenner zündete. Aber dann hätte man auch gleich bei der damaligen Fassung bleiben können. Denn was der Regisseur Stefan Herheim nun im Verein mit seinem Dramaturgen Alexander Meier-Dörzenbach und dem vorgesehenen, doch nach zweijähriger Einlaufzeit in der Endphase wieder exmittierten Dirigenten Clemens Flick (worüber sich jeder seine eigenen Gedanken machen mag; jedenfalls führten die Wallungen im Zuge der Einstudierung sogar zu einer Verschiebung der Premiere) neu gebaut hat, ist die Ersetzung von Esprit durch eine Melange von schlechtem Kabarett und Ballermann-Deftigkeit: „Ist das nicht süß/ tschüß-tschüß-tschüß-tschüß“ und so ähnlich. Nein, ist es nicht; und wird durch abgegessene Affereien rund um den Ex-Palast-der Republik respektive Stadtschloss respektive Humboldt-Forum auch nicht besser.

          Hinzu kommt eine aufgebrezelte Rahmenhandlung, in der sich Cupido und Gevatter Tod mittels einer Klassiker-Blütenlese von Gryphius bis Goethe ständig in die Wolle kriegen und doch nicht voneinander lassen können, was zusammen mit diversen Einlagen aus anderen Offenbachs und einigem gänzlich neu Komponierten den Abend auf über drei Stunden hochpumpt: einer jener immer fatalen Fälle, wo man den Original-Autoren nicht traut und meint, sie erst wieder gegenwartsflott machen zu müssen.

          Wirbelnd, flirtend und tänzelnd

          Was schade ist. Denn sobald das Team Offenbach selbst zu Wort kommt, beweist Herheim seine Hochbegabung für assoziative Hakenschläge und quirlig-dynamische Personenführung. Das wirbelt und tänzelt, flirtet und protzt – und selbst, wenn diese Seifenblasen-Wolken nicht besonders nachhaltig sind: Spaß machen sie oft. Bild und Kostüme (Christof Hetzer/ Esther Bialas) schaffen attraktives Augenfutter, Stefan Soltesz, nun statt Flick am Pult, pflügt eher deftig als zartfühlend, aber jedenfalls wirkungsvoll durchs Notenmeer.

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