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Oper : Das gehört nicht nach Bayreuth

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Der Tribung wird zur Kabarett-Figur: Mark Duffin als Cola Rienzi und Patricia Andress als seine Schwester Irene Bild: AP

Katharina Wagner inszeniert am Bremer Theater den „Rienzi“ ihres Urgroßvaters Richard und will ihm mit Dekonstruktion beikommen. Aufstieg und Sturz des Helden werden im Stil eines Comic Strip vorgeführt - grell, laut und plakativ.

          Ein paar hundert Plätze vor dem Theater Bremen am Goetheplatz fürs Public Viewing. Zwei Stunden vor Beginn von Richard Wagners „Rienzi“ war eine Pressekonferenz anberaumt, bei der Intendant Joachim Frey das Ergebnis des Abends vorwegnahm: „eine bahnbrechende Aufführung für eine Neubewertung des Werks durch Katharina Wagner“. Von der neuen Herrin des Hügels werde es inszeniert „als Fabel über Machtmechanismen, die uns das Charisma und den gleichzeitigen Realitätsverlust des Rienzi in großen Bildern miterleben lässt“. Unterfüttert wird dies im Programmheft durch Zitate von Adorno, Elias Canetti, Thomas Hobbes, ausgesucht von Robert Sollich, dem Spin-Doktor der Regisseurin.

          Jede Inszenierung braucht einen klugen Kopf, meist einen Dramaturgen, der eine Gebrauchsanweisung beisteuert. Der mit Joachim Frey von der Semper-Oper nach Bremen gekommene Hans-Georg Wegner gelangt zu der Ansicht, dass diesem „Vulgärdrama“ über Politik mit seiner „einfachen Handlung“ und dem „Gemisch höherer Ideale“ nur mit „Dekonstruktion beziehungsweise Demaskierung beizukommen“ sei. Als Mittel biete sich dafür die „Ironie“ an, die in Form einer analytischen Sprache „die Metaphernhaftigkeit der Handlung und der Figuren ausstellt“.

          Die Hure Rom

          Dem entsprechen Katharina Wagner und ihr Ausstatter Tilo Steffens, der schon die Bayreuther Inszenierung der „Meistersinger“ zu einem Pop-Spektakel herrichtete, mit einer bebilderungswütigen Regie. Das Geschehen spielt auf einer Einheitsbühne, einer steil aufsteigenden weißen Treppe. Im Mittelpunkt stehen zwei Figuren: Ein antikisch-monumentaler weiblicher Torso, der vom Volk mit Farbe befleckt wird, die bis in die Region der Scham herunterrinnt, welche von Rienzi mit einem Papiertuch verhüllt wird. Im letzten Akt ist aus dieser offenbar Roma symbolisierenden Figur ein Pop-Plakat geworden: ein Pin-up-Girl mit überquellenden Brüsten und einem Finger unterm knappen Höschen - Roma, die Heilige und die Hure.

          Banale und billige Bilder: Katharina Wagners Inszenierung wird am Ende immer matter

          Die zweite Figur ist Cola Rienzi, der die Macht und Willkürherrschaft der Nobili bricht und selber ob politischer wie privater Konflikte die Grenzen der Macht erfährt. Er verwandelt sich vom Tribun, der mit einer güldenen Kugel (Chiffre für eine Welt, die Rom heißt?) spielt, in einen in Selbstmitleid zerfließenden, sich weibisch schminkenden, greinenden und grinsenden Pagliacco. Dem Vorwurf seiner Schwester Irene, er habe nie geliebt, erwidert der irr gewordene Tribun: Er habe sein Leben einer hohen Braut gewidmet, die er gekrönt sehen wollte: „Roma heißt meine Braut.“

          Grell, laut, plakativ

          Aufstieg und Sturz des Helden wird nicht als Psychodrama entwickelt, sondern nach Manier eines Comic Strip vorgeführt - grell, laut, plakativ, mit visuellen Faustschlägen. Wenn in einer Schlüsselszene des dritten Aktes die Toten vom Schlachtfeld zurückkehren, öffnen sich Düsen und überschwemmen die Treppe mit Blut, in dem sich Rienzi alsbald wälzt. Die seelischen Konflikte der Figuren bleiben unterbelichtet, etwa die des Adriano, der als Sohn einer Adelsfamilie ein Feind des Tribuns ist, als Liebhaber von Rienzis Schwester Irene zwischen die Lager gerät.

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