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Omer Meir Wellber : Feuer vom Dirigentenpult

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Omer Meir Wellber möchte Extreme in seinen Interpretationen in sich vereinen Bild: Semperoper

Daniel Barenboim hält große Stücke auf ihn, das Opernhaus in Valencia hat ihn als Nachfolger von Lorin Maazel zum Chefdirigenten ernannt: Der neunundzwanzigjährige israelische Dirigent Omer Meir Wellber dirigierte am gestrigen Samstag die Eröffnungspremiere an der Dresdner Semperoper.

          Junge, gut aussehende, strahlend selbstsichere Musiker gibt es seit einigen Jahren, so will es scheinen, zuhauf. Die Phonoindustrie stürzt sich begierig auf diese fotogenen Gesichter: Schwarz gelockte Tenöre posieren auf den Plattencovers als Latin Lover, blonde, brünette oder dunkle Schönheiten, deren Namen wie aus dem Nichts auftauchen, werben mit flammenden Blicken für ihren Gesang, ihr Klavier- oder ihr Geigenspiel - vor allem aber für die Branche und für die Firma, die sie unter Vertrag genommen hat.

          Auch den neunundzwanzigjährigen israelischen Dirigenten Omer Meir Wellber könnte man sich sofort als Hochglanz-Porträt vorstellen, wie er so in Jeans und Turnschuhen lässig sein Fahrrad durch die Dresdner Altstadt schiebt oder während einer Probe mal eben behende aus dem Orchestergraben der altehrwürdigen Semperoper klettert und über die Brüstung hüpft, um schnell ein Wort mit dem Regisseur zu wechseln. Es eilt ihm auch ein Ruf voraus: Wird er doch, ebenso wie der chinesische Starpianist Lang Lang oder der dirigierende Feuerkopf Gustavo Dudamel aus Venezuela, vom einflussreichen Berliner Staatsopernchef Daniel Barenboim gefördert.

          Interpretationen für die Ewigkeit fixieren

          Doch es gibt noch keine Imagekampagne mit Omer Meir Wellber. Es gibt bisher noch nicht einmal eine CD. Nicht, dass die gierigen Plattenfirmen nicht längst ihre Finger nach ihm ausgestreckt hätten; Gespräche gab es schon. Doch Wellber hat diese Anträge bislang alle abgelehnt. Er fühle sich im Moment noch nicht so weit, seine Interpretationen für die Ewigkeit zu fixieren, erzählt er bei einem Kaffee in der Kantine.

          Und das klingt durchaus nicht wie kokette Tiefstapelei, denn über seine außergewöhnliche Begabung und seine glänzenden Fähigkeiten ist sich dieser selbstbewusste Mensch durchaus im Klaren. Doch seine Ansprüche sind hoch. Und so erscheint noch die Einschätzung der eigenen Grenzen bei Wellber als selbstverständlicher Bestandteil seiner erstaunlichen Professionalität. Vor allem aber findet der Dirigent, dass sich das öffentliche Interesse an ihm über seine Musik einstellen solle und nicht als Erstes über ein hübsches Foto - die Wellbersche Variante des Bilderverbots sozusagen. Man kann diese Standhaftigkeit nur bewundern.

          Beste Karriereaussichten

          Wellber kann sie sich leisten. Denn um seine Karriere braucht er sich keine Sorgen zu machen. Sie ist - spätestens seit er bei Barenboim an der Mailänder Scala und in Berlin Assistenzen absolvierte - auf dem besten Wege. Vor ein paar Monaten wurde er vom Opernhaus in Valencia zum neuen Chefdirigenten ernannt, in der Nachfolge von Lorin Maazel. Die dortige Intendantin Helga Schneider schien geradezu Sorge gehabt zu haben, dass ihr ein anderes Haus zuvorkommen könne, denn den Posten erhielt Wellber quasi nach einem "blind date": Er hatte das Orchester aus Valencia noch nie dirigiert, und es gab noch nicht einmal ein Probevorspiel.

          An der Dresdner Semperoper leitet Wellber heute Abend die Saisoneröffnungspremiere mit der komplexen "Daphne" von Richard Strauss. Um sich mit dessen Musiksprache vertraut zu machen, dirigierte Wellber beim Saito Kinen Festival Matesumoto in Japan soeben schon einmal die "Salome". An der Mailänder Scala wird man ihm im Februar die musikalische Leitung einer Neuinszenierung von "Tosca" anvertrauen.

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