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Kulturkampf in Nowosibirsk : Neuer Operndirektor setzt umstrittenen „Tannhäuser“ ab

  • Aktualisiert am

Anstoß des bischöflichen Ärgernisses: Tannhäuser verwandelt sich in eine Filmfigur – Jesus und trägt das Kreuz in die Venusgrotte. Bild: Viktor Dmitriev

Ein neuer Direktor, ein neuer Name für das Opernhaus und die sofortige Absetzung der umstrittenen Inszenierung: Die Entwicklung im „Tannhäuser“-Streit in Nowosibirsk entsetzt die russische Theaterwelt.

          Nach Kritik der russisch-orthodoxen Kirche an einer Inszenierung von Richard Wagners „Tannhäuser“ hat der neue Chef der Oper in Nowosibirsk das umstrittene Stück abgesetzt. Es sei kein Gespräch mit Regisseur Timofej Kuljabin über Änderungen möglich gewesen, begründete Direktor Wladimir Kechman an diesem Dienstag die Entscheidung. Zuvor war Operndirektor Boris Mesdritsch entlassen worden, weil er Änderungen an der von Kritikern und vom Publikum gelobten Regie abgelehnt hatte.

          Wladimir Kechman, der als Chef des Petersburger Michailowski-Theaters von sofort an zwei Theater leitet, hatte als erste Amtshandlung in Nowosibirsk die dortige Oper in „Bolschoi-Theater Sibiriens“ umbenannt. Zuvor hatte er auf dem Portal des Kulturministeriums mitgeteilt, die „Tannhäuser“-Inszenierung, in der ein Film über Jesus im Venusberg gedreht wird, beleidige ihn als Juden und als orthodoxen Christen.

          Die russische Theaterwelt reagierte entsetzt. Regisseur Kirill Serebrennikow findet die Nachricht unglaublich, der Leiter der Theaterassoziation, Alexander Kaljagin, verurteilt die „Verschwendung“ herausragender Kader wie Mesdritsch. Kechman, der durch Obstimport ein vermögender Mann wurde, gilt in Sankt Petersburg als Bananenzar, obwohl seine Fruchtsaftfirma JFC bankrott machte und er selbst betrügerischer Geschäftsmethoden verdächtigt wurde. Doch das Michailowski-Theater verdankt ihm eine großzügige Renovierung. Durch die Instandsetzung orthodoxer Gotteshäuser in Sankt Petersburg und Hamburg erwarb Kechman sich zudem Auszeichnungen der orthodoxen Kirche.

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