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Neue CDs : Die schönste Musik zum Advent

  • -Aktualisiert am

Davos, Graubünden, Schweiz, 17. Dezember 2007: Das war der Schnee schon gefallen. Bild: Bilderberg

Von Norwegen bis Italien, von Engeln, Schafen und Lametta ist alles dabei unter den CD-Neuerscheinungen mit Musik zum Advent und zur Weihnacht. Da werden auch die fündig, die gar nicht singen wollen.

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          In Norwegen braucht der Mensch viel Musik und Gesang, um Dunkelheit und Kälte im Dezember etwas entgegenzusetzen. Die Weihnachtskonzerte des Norwegischen Solistenchors mit ihren Julemelodier, Improvisationen und „Walking Tunes“ – Einzugs- oder Auszugsliedern – sind so populär, dass nach einer ersten CD „Rós – Songs of Christmas“ jetzt eine zweite mit dem Titel „Veni“ erschienen ist (BIS, Klassik Center Kassel). Der Norske Solistkor ist nicht irgendein Chor. Das Ensemble aus 26 Sängerinnen und Sängern unter der Leitung von Grete Pedersen hat international einen erstklassigen Ruf; der Chorklang ist voll und zugleich klar und flexibel. Kunstfertigkeit kommt mit einer entspannten Freude am traditionellen Liederschatz zusammen. Die norwegische Version von „O come, all ye faithful“ fängt mit einem zarten Unisono an und entfaltet sich dann zum mehrstimmig-satten Chorklang, der den Kirchenraum füllt. Heimlich zart beginnt auch das Wiegenlied „En krybbe var vuggen“ (mit der Melodie von „Away in a Manger“), geht es doch um „det lille barn Jesus“, das kleine Jesuskind, das da auf dem Stroh liegt. In einer überraschenden Wendung von Krippe zu Kreuz singt der Solistkor den dritten Vers mit ernstem, ja inbrünstigen Ton.

          Von geradezu magischer Schlichtheit ist das Geigenspiel Gjermund Larsens. Als Edel-Begleiter verbindet er die Liedstrophen, spielt aber auch rein instrumentale Stücke, als wär’s am Kamin, zusammen mit Marco Ambrosini an der Nyckelharpa. Das mittelalterliche Streichinstrument mit kernigem Bordunklang der Resonanzsaiten wird heute vor allem in keltischer und schwedischer Folkloremusik eingesetzt. Dass wir als singende Pilger ins Paradies gelangen, ist die Vorstellung in „Pilgrimssang“ oder „Deilig er jorden“ (Köstlich ist die Erde); das gemütvolle Lied darf bei keinem norwegischen Weihnachtsfest fehlen. Es ist die hohe Kunst, etwas Altbekanntes nicht schal klingen zu lassen, sondern gefüllt wie ein großes Geschenk. Beflügelt von den wärmenden Stimmen des Norske Solistkors könnte das Paradies eine realistische Perspektive sein.

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