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Streit um Musikfestival : Martha Argerich spielt hier nicht mehr

Das Rolandseck-Festival hatte also keine Probleme beim musikalischen Niveau und war auch recht gut besucht. Die Wasmuth-Gesellschaft bekam nach eigener Aussage von Oliver Kornhoff alle Jahre Lob für die schönen Konzerte zu hören und war dann verwundert zu erfahren, sie habe ihre Programme nicht genügend auf die Bedürfnisse und Inhalte des Arp-Museums abgestimmt. Kornhoff sagt, er habe der Wasmuth-Gesellschaft seit längerem zu verstehen gegeben, der Bahnhof Rolandseck sei kein Konzertsaal wie jeder andere in Rhein-Region, so dass er auch programmatisch nicht mit den eingeführten Konzertorten konkurrieren, sondern eigene Veranstaltungsformen, eigene Inhalte entwickeln müsse. Mit der Wasmuth-Gesellschaft, die an alten, großen Namen und traditionellen Formen hänge, sei das schwer machbar. „Unsere innovativen, zukunftsorientierten Wünsche lassen sich“, so Kornhoff, „mit Villa Musica viel besser umsetzen“. Dazu gehört die Abstimmung der Konzertprogramme auf die Inhalte der Sonderausstellungen, dazu gehört auch die Bespielung des gesamten Geländes bei Kindertagen und Jugendkonzerten. Die Offenheit dafür habe er, sagt Kornhoff, eher bei der Villa Musica und deren künstlerischem Leiter, dem Cellisten Alexander Hülshoff, gefunden.

Torsten Schreiber widerspricht dieser Darstellung: Derlei Wünsche seien nie an die Wasmuth-Gesellschaft herangetragen worden. Eine Abstimmung auf bildkünstlerische Programme habe es, zuletzt 2019 mit dem Motto „Verklärung – Magie des Lichts“, auch schon gegeben. Und keineswegs habe man nur „mit alten Künstlern“ zusammengearbeitet, sondern ebenso mit jungen Stipendiaten der Barenboim-Said-Akademie und der Kronberg Academy.

„Wir haben uns keineswegs gegen alte Musiker entschieden“, wendet Kornhoff ein, „sondern für einen neuen Partner, um die Musik in Rolandseck zukunftsfähig zu machen“. Zukunftsfähig heißt vor allem: finanziell stabil. Villa Musica ist wie das Arp-Museum eine Landesstiftung in Rheinland-Pfalz, die Wasmuth-Gesellschaft hingegen ein privater Verein. Die Landesregierung, die in diesem Streitfall schon um Prüfung und Vermittlung angerufen wurde, hat natürlich an den „Synergien“ zweier ihrer Stiftungen vitales Interesse. Für das ehrenamtliche Engagement der Wasmuth-Stiftung aber ist das eine Enttäuschung und für Nachahmer nicht gerade motivierend.

Villa Musica wird im Musikleben des Landes immer dominanter. Im Mainzer Musiksommer ist sie, nachdem der Südwestrundfunk sein Engagement reduzierte, sehr präsent, beim Festival RheinVokal ebenfalls und nun auch in Rolandseck. Überall gibt Alexander Hülshoff eigene Konzerte, ist also, sehr synergetisch, Veranstalter und Gast in einem. Die Programme, die Hülshoff für die Saison 2020 in Rolandseck geplant hat, sind klug durchdacht und einladend. Dass für die Wasmuth-Gesellschaft künftig aber kein Platz mehr sein soll, versteht man von außen nicht so ganz. „Wir hatten der Wasmuth-Gesellschaft all die Jahre programmatische Exklusivität zugesagt und wollen das nun auch mit Villa Musica so halten“, begründet der Museumsdirektor Kornhoff diesen Umstand.

Wie es aussieht, verhindert vor allem fehlendes menschliches Einvernehmen einen sachlich möglichen Kompromiss. So aber wird künstlerisch etwas Gewachsenes ausgerissen und durch etwas Gemachtes, das bloßem Pragmatismus gehorcht, ersetzt.

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