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Alexander Buslow ist tot : Ein lyrischer Schalk

Alexander Buslow (1983-2020) Bild: Stefano Bottesi

Er war ein Wunderkind auf dem Violoncello, überflügelte schon mit dreizehn Jahren die internationale Konkurrenz und riss sein Publikum immer wieder durch sein Können und seine Herzlichkeit hin. Jetzt ist der russische Cellist Alexander Buslow mit nur 37 Jahren gestorben.

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          Vor zehn Jahren waren das Publikum und die internationale Jury beim Grand Prix Emanuel Feuermann, einem der renommiertesten Wettbewerbe für Violoncellospiel, in der Berliner Philharmonie völlig hingerissen von einem jungen Moskauer Teilnehmer. Alexander Buslow hatte einen unwiderstehlich schönen Ton: sauber, satt, süß ohne Aufdringlichkeit, durchdringend, wo es sein musste, verhalten und scheu, wo die Musik es verlangte. Sein Spiel vereinte mit überragender Souveränität Gesanglichkeit und Formsinn, plastische Gestik des Augenblicks und übergreifende Architektur. Die engagierte Phrasierung in Franz Schuberts Arpeggione-Sonate verriet innere Anteilnahme und brachte doch zugleich den ebenmäßigen Periodenbau zum Schwingen. Das war ein mitfühlender Klassizismus, wie er inzwischen rar geworden ist. Der Schüler der großen Natalja Gutman und damit Enkelschüler von Mistislaw Rostropowitsch gewann den Wettbewerb und den Preis des Publikums gleich dazu.

          Jan Brachmann

          Redakteur im Feuilleton.

          Buslow (der seinen russischen Namen zwischenzeitlich französisch „Bouzlov“, zuletzt englisch „Buzlov“ transkribierte) war 1983 in Moskau zur Welt gekommen und ein Wunderkind auf dem Violoncello. Schon mit dreizehn Jahren gewann er in Monte Carlo seinen ersten internationalen Grand Prix, den „Mozart 96“, und er muss damals der verblüfften Öffentlichkeit wie ein Mozart des Cellos erschienen sein. Mit siebzehn Jahren hatte er den internationalen Wettbewerb Young Concert Artists in New York gewonnen und war wenig später erstmals in Deutschland zu hören: Auf den sanft versonnenen Lyrismus in der ersten Cellosonate von Nikolaj Mjaskowski verstand er sich ebenso wie auf die energische Grübelei in Ludwig van Beethovens C-Dur-Sonate op. 102 Nr. 1. Wer das Glück hatte, ihn jemals mit Peter Tschaikowskys Rococo-Variationen zu erleben, wird sich an ein Musizieren erinnern, dass die Unerschrockenheit eines Springreiters mit der Herzlichkeit eines frisch Verliebten vereinte. Alexander Buslow, der einen schalkhaften Humor besaß, bezauberte auch als Mensch durch seine Kollegialität und seine Bescheidenheit.

          Wie sein Lehrer Alexej Selesnjow auf Facebook mitteilt, ist Alexander Buslow am Sonntagmorgen an den Folgen eines Blutgerinnsels gestorben. Er wurde nur 37 Jahre alt. Die Cellokollegen seiner Generation, darunter Daniel Müller-Schott und Kian Soltani, zeigten sich in ersten Kommentaren im Internet fassungslos und schockiert von diesem immensen Verlust für die Musikwelt. Benedict Klöckner, der vor zehn Jahren beim Feuermann-Wettbewerb den zweiten Platz gewonnen hatte, nannte ihn einen „unglaublichen Cellisten, den besten Borat-Imitator und einen Mann mit einem sehr großen Herzen“. Buslow, der mit der Geigerin Alissa Margulis verheiratet war, hinterlässt eine dreijährige Tochter.

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