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Münchner Kulturpolitik : Es klingt nicht, wie es klingen sollte

  • -Aktualisiert am

Abriss? Sanierung? Neubau? Das Kulturzentrum Gasteig am Isarhochufer, Heimat der der Münchner Philharmoniker Bild: dpa

Welchen Konzertsaal in welcher Größe und an welchem Ort braucht Bayerns Metropole? Ein schlüssiger Entwurf ist nicht in Sicht. Aber nur eine starke Vision kann die Musikstadt retten.

          Gerade ist Mariss Jansons aus Amsterdam nach München zurückgekehrt. Nach einer imponierenden Aufführung von Gustav Mahlers achter Sinfonie im altehrwürdigen Concertgebouw mit seinem Concertgebouworkest fällt der Dirigent aus dem Konzertsaalparadies gleichsam in ein Schwarzes Loch: das Nichts. Denn das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, dessen Chefdirigent Mariss Jansons auch ist, besitzt kein so prächtiges Konzertgebäude wie die Konkurrenz in Amsterdam, nur eine kleine Hütte als Behelf: den Herkulessaal in der Residenz, in dem allerdings schon seit Jahrzehnten die Musica-viva-Konzerte des Orchesters stattfinden. Ein etwas anderes Paradies für eine lebendige Musik und die lebenden Komponisten unserer Zeit.

          Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist jedoch bei weitem nicht nur zum Spezialensemble für Neue Musik geworden, im Gegenteil: Es verfügt auch über hohe Kompetenz für das klassisch-romantische Repertoire. Das vor kurzem gegründete BR-Klassik-Label fördert emsig wahre Schätze aus der Vergangenheit des Orchesters klingend zutage. Bei vielen Musikfreunden, nicht nur in München, und ebenso vielen Fachleuten rangieren die BR-Symphoniker sogar noch vor den Berliner Philharmonikern. Was fehlt, ist eben ein eigenes Konzerthaus, zumindest ein qualitativ hochrangiger Konzertsaal, den man mitbenutzen könnte. Der Herkulessaal ist zu klein und fasst zu wenig Zuhörer. In der räumlich großen Philharmonie im Gasteig genießen die Münchner Philharmoniker als Orchester der Stadt Hausrecht.

          Der Ruf der Musikstadt München steht auf dem Spiel

          Das Vorrecht der Philharmoniker ist nicht das einzige Problem in der Gasteig-Philharmonie. Von Beginn an haben Musiker, Dirigenten, Orchester und auch viele Konzertbesucher die akustischen Verhältnisse in der Philharmonie beklagt. Eben erst berichtete Christian Thielemann, Noch-Chefdirigent der Münchner Philharmoniker, in einem Interview über die Münchner Konzertsaal-Situation von den vielen Versuchen, die akustischen Tücken des Saales in den Griff zu bekommen. „Viele Dinge, die nicht ganz genau gespielt klingen, sind diesem Saal geschuldet“, so der Dirigent im Gespräch mit dem „Münchner Merkur“.

          Treibende Kraft: Mariss Jansons, Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks

          Thielemanns Anmerkungen sind nur der letzte prominente Beitrag zu einer lang andauernden Diskussion, bei der vor allem Mariss Jansons als treibende Kraft und energischer Wortführer auftritt. Immerhin wurde dabei erreicht, dass sowohl die Stadt München als auch der Freistaat Bayern erkannt haben, dass es so nicht weitergeht. Der Ruf der Musikstadt München steht auf dem Spiel. Es soll schon renommierte Orchester geben, die auf ihren Tourneen einen weiten Bogen um die bayerische Hauptstadt schlagen und lieber nach Wuppertal oder Dortmund fahren.

          Der Minister favorisiert einen Neubau

          Inzwischen gewinnt man den Eindruck, dass alle verantwortlich Beteiligten auf eine baldige Entscheidung drängen. Am kommenden Montag überträgt der Bayerische Rundfunk (BR-alpha, 20 Uhr) live eine Podiumsdiskussion, an der Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, der Bayerische Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, Wolfgang Heubisch, BR-Intendant Ulrich Wilhelm und der Intendant der Berliner Philharmoniker, Martin Hoffmann, ferner der Unternehmensberater Roland Berger, Mariss Jansons, der Sänger Christian Gerhaher sowie der Vorstand Konzertsaal München e.V., Hans Robert Röthel, teilnehmen.

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