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„Der Hausmeister“ in München : Stube mit Clowns

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„Der Hausmeister“: Die Uraufführung 1960 brachte dem Theaterautor Harold Pinter den Durchbruch - nun hat Andrea Breth das Stück in München inszeniert Bild: Ruth Walz

Männer müssen kein Geheimnis haben, nur Spaß am Elendsleben. Andrea Breths Münchner Inszenierung von Harold Pinters „Hausmeister“ wird zu einem Triumph des Witzes übers Widerwärtige.

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          Ein alter fremder Mann, offenbar ein Penner, kommt ins Haus, das wenig mehr als ein zugemülltes Zimmer ist, in dem schon zwei junge Männer sind, Brüder offenbar. Der Alte heißt Davies, womöglich aber auch Jenkins. Die Jungen heißen Aston und Mick. Der Alte setzt sich bei ihnen fest. Verbündet sich erst mit Aston, dann mit Mick. Jeder bietet ihm eine Stelle als Hausmeister an. Am Ende werfen sie ihn raus. Vielleicht geht er, vielleicht auch nicht. Mehr passiert nicht in Harold Pinters Stück „Der Hausmeister“ von 1960.

          Das Stück könnte auch „Der Eindringling“ heißen wie alle Stücke des Literaturnobelpreisträgers von 2005: Bei ihm kommt das Unheimliche, das naturgemäß längst drinnen heimlich nistet, von außen. Als Pinter 2008 starb, hatte er den unsterblichen Ruf eines Rätseldramatikers hinter sich, der die Nüsse gibt, aber sie nicht knacken will.

          Er ließ die Dinge raffiniert offen. So entging er allerdings auch nie ganz dem Verdacht, nicht ganz dicht zu sein. Oder wie Georg Hensel (ein unsterblicher Theaterkritiker) es pointierte: „Wer sich bei Pinter auskennt, weiß, dass man sich bei Pinter nicht auskennt.“

          Es wird einfach gespielt

          „Was wird hier gespielt?“, fragt Mick, als er ins Zimmer kommt und sieht, wie der alte Davies das Bett, die Koffer, die Schachteln, die Regale, die Müllberge Astons beschnüffelt. Die Frage, was hier gespielt wird, zum Beispiel, ob Davies eventuell als Gott des Alten Testaments in die Aston-Mick-Jünger-Welt des Neuen Testaments einbreche oder ob jeder der drei ein unaussprechliches Geheimnis mit sich herumtrage, das sie unter aussprechlich plappernder Kommunikation düster verbergen, was zu den Hochzeiten des in den sechziger und frühen siebziger Jahren vielgespielten „Hausmeisters“ zu interpretatorischen Veitstänzen führte - diese Frage schien sich mit dem Stück erledigt zu haben. Denn es wird so gut wie nicht mehr gespielt.

          „Was wird hier gespielt?“: Mick (Norman Hacker, links) will mehr über den Eindringling Davies (Hans-Michael Rehberg) wissen.
          „Was wird hier gespielt?“: Mick (Norman Hacker, links) will mehr über den Eindringling Davies (Hans-Michael Rehberg) wissen. : Bild: Ruth Walz

          Nun hat die Regisseurin Andrea Breth, die an alte, bekannte Stücke derart sich heranliebt, dass sie unter ihren Händen wie eben erst geschrieben wirken, den unbekannt gewordenen „Hausmeister“ im Münchner Residenztheater inszeniert. Und sie gibt auf die Pinter-Frage „Was wird hier gespielt?“ die geniale Antwort: Es wird einfach gespielt. Basta.

          Figurenlarven, die sich entpuppen

          Man sieht, so wie es der Autor in seinen Regieanweisungen möchte, ein heruntergekommenes Gelass, das die Szenenbildnerin Annette Murschetz in die rechte hintere Bühnenecke hineingebaut hat. Pinters schräge Regale, Pinters unangeschlossenen Gasherd, Pinters leeres Wasch- und Spülbecken, Pinters Stahlrohrbetten, Pinters halboffenes Schiebefenster, Pinters Zeitungsstapel, Pinters Kisten, Leitern, Rasenmäher, Glühbirne an der Decke samt danebenhängendem Eimer, um Regentropfen vom lecken Dach aufzufangen, Pinters Buddhastatue, Pinters Krimskrams, Toaster und Stecker.

          Es ist, als blicke man in eine historische Slum-Puppenstube hinein. Sie ist meist von unten her angestrahlt, so dass die Gesichter der Männer immer wie in Großaufnahme aus dem Dunkel herausleuchten und ihre Körper große Schatten an die Wände werfen. Der Schatten des Zweifels, der über dem Stück liegt, ist hier: ein Leinwandeffekt.

          Aber nun nimmt die Regisseurin sozusagen den alten Leinwandrupfen, auf dem der Staub des Stücks liegt. Und klopft ihn ungeniert aus. So dass die Figurenlarven, die da seit Jahrzehnten ihren Dramen-Schlaf hielten, sich plötzlich entpuppen. Und neu leben. Als eine Art Clownsschmetterlinge. Die sich da über alle Slum-Widerwärtigkeiten witzig erheben. Schmerzenskünstler, die aus ihrem Elend keinen zynischen, sondern einen überlebensmütigen Spaß gewinnen.

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