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Mozartwoche in Salzburg : Ein Freund, ein guter Freund

  • -Aktualisiert am

Großes Mozart-Spektakel: „Thamos, König in Ägypten“ in der Felsenreitschule Bild: Matthias Baus

Rolando Villazón beweist sich bei seiner ersten Mozartwoche als allseits anwesender und zugänglicher Festivalleiter. In den Vordergrund gelangen die Musiker.

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          Müsste man einen Stellvertreter Mozarts auf Erden wählen, der mexikanische Tenor, Regisseur und Schriftsteller Rolando Villazón wäre vermutlich ein heißer Kandidat. Wie nur wenige vermag er weite Hörerschichten für das zu begeistern, wovon auch er begeistert ist, von der klassischen Musik nämlich und besonders von der Wolfgang Amadeus Mozarts, er tut es mit Leichtigkeit und einem ungebremsten Frohsinn, den man gerne „mozartisch“ nennen würde, wäre der Ausdruck nicht so klischeebeladen. Dass bei Villazón immer auch die melancholische Seite des Spaßmachers zu spüren ist, macht ihn im Naturell dem Salzburger Komponisten nicht unähnlicher.

          Nun gibt es keinen Papst eines ebenso wenig institutionalisierten Mozartkultes, aber doch immerhin das Amt eines Intendanten der Mozartwoche, die jährlich rund um den 27. Januar, den Geburtstag Wolfgang Amadeus Mozarts, in Salzburg veranstaltet wird. Der Intendant heißt nun erstmals Rolando Villazón, und er spricht durchaus wie ein Pontifex: Brücken wolle er bauen und mit der Musik Wolfgang Amadeus Mozarts so viele Menschen wie möglich zusammenbringen. Villazón tut das in den ersten Tagen des Festivals mit ansteckender Begeisterung: Er moderiert mit clowneskem Überschwang das Konzert des Kinderorchesters der Stiftung Mozarteum, führt in Veranstaltungen ein, die ihm besonders am Herzen liegen, etwa der Solo-Auftritt der australischen Pantomimin Nola Rae, betätigt sich als Claqueur, wenn ihm, wie bei der Aufführung von Mozarts Oratorium „Betulia liberata“, das Publikum zu müde reagiert auf die Arien der Sänger, singt auch selbst ein wenig, mexikanische Serenatas nämlich auf offener Straße beim Geburtstagsständchen für den Komponisten, und zeigt sich überhaupt als ein allseits anwesender und zugänglicher Festivalleiter.

          Verschiedenartigkeit der Auffassungen

          Cartoons für Mozartkugel-Dosen und für eine Kaffeetassen-Edition hat er auch geliefert. Zu sehen darauf der Komponist, dem die Arme nicht lang genug sein können, um sein ganzes Publikum zu umarmen. Mozart als nahbaren, weltzugewandten Komponisten zu zeigen, als „guten Freund“ (Villazón), das liegt dem Mexikaner erkennbar am Herzen. Mit dem harfenschwingenden Apoll im Foyer des Mozarteum-Gebäudes, dem ein flatterndes Band diskret das Gemächt verdeckt (nicht immer gehen die Salzburger so zuvorkommend mit dem Sohn ihrer Stadt um), wird Villazón bestimmt weniger anfangen können.

          Er begeistert Hörer für das, wovon auch er begeistert ist: Rolando Villazón

          Es mag überraschen, dass der neue Intendant dabei zu einem Ursprungsgedanken der 1956 gegründeten Mozartwoche zurückkehrt: dass ausschließlich Werke des Salzburger Meisters aufgeführt werden. Eine Einschränkung, die man sonst nur aus dem gestrengen Bayreuth kennt, dessen dort gefeierten Meister wohl niemand so gerne als „guten Freund“ bezeichnen würde. In Salzburg ergibt sich aus der Konzentration auf einen einzigen Komponisten das schönste Gegenteil: Mozart tritt zurück, in den Vordergrund gelangen diejenigen, die seine Musik spielen. In der Konzentration sind Mozarts Werke wie Spiegel, in denen man die Künstler reflektiert sieht, ihr Temperament und ihre Haltung. Die Verschiedenartigkeit der Auffassungen tritt hervor und ihre ganz selbstverständliche Daseinsberechtigung.

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