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Mozarts Geburtstag : Unser Kalbskotelett ist heuer auch vom Wolfgang

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Salzburg in der Mozartwoche des Mozartjahrs, am Tag vor Mozarts Geburtstag Bild: REUTERS

Mozart hat Salzburg gehaßt. Von der Einseitigkeit der Liebe zu ihrem größten Sohn unbeeindruckt, verehrt die Stadt den Komponisten mit allen Kräften, Konzerten und Koteletts. Sogar die Bartoli hatte noch Zeit, in letzter Sekunde.

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          Mozart haßte Salzburg. Aus München schreibt er dem Vater: „Ich schwöre ihnen bey meiner Ehre daß ich Salzburg und die ihnwonner, ich rede von gebohrnen Salzburgern, nicht leiden kann; - mir ist ihre sprache, ihre lebensart ganz unerträglich.“ Es blieb nicht das einzige Zeugnis einer aufrichtigen Abneigung. Die miserable Ausstattung der fürsterzbischöflichen Hofkapelle, der enge Wirkungskreis waren Grund genug, zu erkennen, daß dies nicht „der rechte Ort“ für ihn war.

          Erst spätere Generationen bemerkten einen Zusammenhang zwischen der lichten Schönheit der Barockstadt und dem als apollinisch empfundenen Natur-Schönen der Mozartschen Werke, vor allem bei denen, die er nicht mehr in Salzburg geschrieben hatte. „Hic habitat felicitas“: Hier wohnt das Glück. Diese Inschrift soll auf einem römischen Mosaikfußboden gestanden haben, den man in Salzburg fand bei der Grundsteinlegung für das Mozartdenkmal, wie Erich Kästner in seiner Novelle „Der kleine Grenzverkehr“ behauptet hat. Aber selbst Kästner lobt sein Salzburg aus der Ferne. Er berichtet, wie er im Hotel Axelmannstein in Reichenhall wohnen mußte, um in Salzburg seiner Konstanze zu begegnen und zu lernen, daß an diesem gesegneten Ort sogar Mäuse Engelsflügel tragen.

          Reich mir die Hand, mein Leben

          Die Salzburger sind großzügig, sie haben ihren Mozart trotzdem zum Fressen gern. „Unser Kalbskotelett ist heuer auch vom Wolfgang“, sagt der Ober im Restaurant. Heute abend um Punkt acht Uhr werden in der Altstadt alle Glocken geläutet werden von Sankt Peter bis zum Dom, denn das Geburtsstündlein hat geschlagen. Salzburgs Konditoren buken eine Riesengeburtstagstorte, „auch vom Wolfgang“, die auf dem Kapitelplatz von den Bürgern der Stadt verzehrt werden soll. Zur selben Zeit dirigiert Riccardo Muti im Festspielhaus für zugereiste Gäste aus Politik und Wirtschaft die Wiener Philharmoniker, und Cecilia Bartoli wird mit Thomas Hampson das Duett „Reich mir die Hand, mein Leben“ singen.

          „Don Giovanni“ wurde in Prag uraufgeführt, wo 1837 das erste Mozarteum der Welt gegründet worden ist: „Mozartuv pamatnik“ - das war vier Jahre vor dem Mozarteum in Salzburg. Heute liegen in Prag immer noch 109 Bände Handschriften, 81 Drucke und unter anderen vier autographe Briefe der Familie Mozart. Man würde so etwas am liebsten unterschlagen in diesem Salzburger Jubeljahr. Mozart hat zwar mehr als die Hälfte seiner Werke in seiner Vaterstadt verfaßt: „the largest part of his intensive oeuvre“. Doch sein Abschied von Salzburg kam einer Flucht gleich, und danach blieben ihm nur noch zehn Jahre.

          Die Bartoli war noch frei

          Die Bartoli, darüber wundern sich alle, hatte tatsächlich am 27.Januar abends um acht Uhr noch nichts Besonderes vor. So konnte sie einspringen für Renee Fleming, die sich aus künstlerischen Gründen kurzfristig geweigert hatte, Rezitativ und Rondo KV505 zu singen. In diesem Stück geht der obligate Klavierpart - den Mozart für sich selbst schrieb - mit dem Sopran, bestimmt für die geliebte Stimme der Nancy Storace, eine intime Verbindung ein. „Mir stockt das Herz“, singt sie. Und der chromatisch abwärts stolpernden Klaviermelodielinie bleibt gleich zweimal pro Takt der Atem stehen. Die Stiftung Mozarteum läßt freilich über ihr historisch getreu nach Art eines bunten „Vocal- und Instrumentalconcerts“ der Mozartzeit zusammengestelltes Programm nicht mit sich handeln. Sie hat Fleming kurzerhand ausgeladen.

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